Creative Technologies Lab | dokuWiki

Repository of academic adventures, experimental technology, accidental brilliance, and collaborative nerdery.

User Tools

Site Tools


extras:wissikon:design-development:designphasen

Differences

This shows you the differences between two versions of the page.

Link to this comparison view

Both sides previous revisionPrevious revision
Next revision
Previous revision
extras:wissikon:design-development:designphasen [2025/07/06 09:42] – ↷ Page moved from teaching:designphasen to extras:wissikon:design-development:designphasen Felix Hardmood Beckextras:wissikon:design-development:designphasen [2026/10/25 11:22] (current) – Felix Hardmood Beck
Line 3: Line 3:
 [[extras:wissikon:design-development:design-process|Link to English version]]. [[extras:wissikon:design-development:design-process|Link to English version]].
  
-Der Designprozess wird im Rahmen des Studiums oftmals bei Semesterprojekten in die aufeinanderfolgenden, aber dynamisch gestalteten Phasen //<color #efe4B0/#00a2e8> Discover! </color>//, //<color #b5e61d/#22b14c> Ideate! </color>//, //<color #ff7f27/#ffc90e> Make! </color>// und //<color #ffc90e/#ed1c24> Expose! </color>// unterteilt. Diese Struktur bietet eine Orientierung über den Verlauf eines Gestaltungsprojekts, soll jedoch nicht als starres lineares Modell verstanden werden. Vielmehr können einzelne Phasen je nach Erkenntnisgewinn, individueller Schwerpunktsetzung oder sich verändernden Anforderungen iterativ wiederholt oder neu kombiniert werden. +Designprozesse können je nach Disziplin, Projekt und Aufgabenstellung sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Im Rahmen des Studiums verwenden wir die vier archetypischen Phasen //<color #efe4B0/#00a2e8>Discover!</color>//, //<color #b5e61d/#22b14c>Ideate!</color>//, //<color #ff7f27/#ffc90e>Make!</color>// und //<color #ffc90e/#ed1c24>Expose!</color>// als gemeinsame Orientierung, um unterschiedliche Aktivitäten innerhalb eines Gestaltungsprozesses zu strukturieren und den eigenen Arbeitsweg nachvollziehbar zu machen. Die Phasen beschreiben dabei ausdrücklich keinen starren oder linearen Ablauf, sondern einen iterativen Prozess, in dem sich einzelne Schritte überlagern und mehrfach durchlaufen werden können. Erkenntnisse aus Experimenten, Prototypen, Tests, Feedback oder Reflexion können jederzeit dazu führen, frühere Annahmen zu hinterfragen, zusätzliche Recherche durchzuführen, neue Ideen zu entwickeln oder bestehende Konzepte zu verändern. Der Designprozess ist deshalb weniger als feste Abfolge einzelner Arbeitsschritte zu verstehen, sondern als wiederholter Wechsel zwischen **Verstehen, Entwickeln, Ausprobieren und Reflektieren**. Vereinfacht lässt sich dieser Prozess als **Discover! → Ideate! → Make! → Expose!** beschreiben, wobei insbesondere innerhalb der Entwicklung kontinuierliche Schleifen aus **Make → Test → Reflect → Iterate ↺** entstehen und bei Bedarf jederzeit zu früheren Phasen zurückgeführt werden kann.
  
-Der gesamte Prozess ist als dynamisches System konzipiert, das Flexibilität, Kreativität und reflexives Arbeiten fördert. Ziel ist es, durch kontinuierliche Anpassung innovative, wirksame und sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Der iterative Ansatz ermöglicht es, Erkenntnisse aus späteren Phasen aktiv auf frühere Projektschritte rückzubeziehen und Gestaltung konsequent weiterzuentwickeln.+{{ :extras:wissikon:design-development:iterativer_designprozess.png?direct |}}
  
-Im Folgenden werden archetypische Phasen des Designprozesses beschrieben. 
  
-==== 1. Definition des Problems oder der Herausforderung (Discover!) ====+^  ^ **<color #efe4B0/#00a2e8>Discover!</color>** \\ Verstehen und Einordnen ^ **<color #b5e61d/#22b14c>Ideate!</color>** \\ Möglichkeiten entwickeln ^ **<color #ff7f27/#ffc90e>Make!</color>** \\ Ideen sichtbar und überprüfbar machen ^ **<color #ffc90e/#ed1c24>Expose!</color>** \\ Prozess und Ergebnis kommunizieren ^ 
 +| **Ziel** | Aufgabenstellung, Kontext, Bedürfnisse, Probleme und Möglichkeiten verstehen. | Unterschiedliche Ideen und Lösungsansätze entwickeln und den Lösungsraum öffnen. | Ausgewählte Ideen konkretisieren, ausprobieren und überprüfbar machen. | Designprozess und Ergebnisse verständlich strukturieren und kommunizieren. | 
 +| **Fokus** | Beobachten, recherchieren, analysieren, Zusammenhänge erkennen und Erkenntnisse verdichten. | Explorieren, variieren, kombinieren, hinterfragen und auswählen. | Entwickeln, prototypisieren, testen, reflektieren und iterieren. | Auswählen, dokumentieren, präsentieren, erklären und reflektieren. | 
 +| **Mögliche Methoden** | Recherche, Beobachtung, Analyse, Interviews, Mapping, Problemdefinition, Design Challenges | Brainstorming, Brainwriting, Mind Mapping, Skizzen, Storyboards, Szenarien, einfache Modelle | Skizzen, Modelle, Mock-ups, Experimente, Prototypen, Scheme Design, Detailed Design, Testing | Präsentation, Dokumentation, Critique, Feedback, Poster, Prozessdarstellung | 
 +| **Ergebnis** | Eine begründete Fragestellung bzw. ein klarer Ausgangspunkt für den weiteren Prozess. | Unterschiedliche mögliche Lösungsansätze und eine begründete Auswahl für die Weiterentwicklung. | Ein zunehmend konkreter Entwurf bzw. Prototyp, der getestet und weiterentwickelt werden kann. | Eine nachvollziehbare Darstellung davon, wie sich Fragestellung, Prozess und Ergebnis entwickelt haben. | 
 +| **Iteration** | Neue Erkenntnisse können jederzeit zusätzliche Recherche oder eine neue Problemdefinition notwendig machen. | Erkenntnisse aus Prototyping und Tests können jederzeit neue Ideen auslösen. | **Make → Test → Reflect → Iterate ↺**; bei Bedarf zurück zu Ideate! oder Discover!. | Feedback und Reflexion können neue Fragen aufwerfen und eine weitere Iteration auslösen. |
  
-In der //<color #efe4B0/#00a2e8> Discover! </color>//-Phase wird die grundlegende Problemstellung analysiert und definiert. Es geht darum, ein präzises Verständnis der Aufgabenstellung, der Bedürfnisse der Zielgruppe sowie der Rahmenbedingungen und Einschränkungen zu entwickeln.   
  
-Eine klare Problemdefinition schafft die Basis für den gesamten Designprozess. Methoden wie Stakeholder-Analysen, Problembaum-Diagramme oder das Formulieren von Design Challenges helfen dabei, die Ausgangslage differenziert zu erfassen und erste Hypothesen zu bilden.   
  
-Der Fokus liegt darauf, zentrale Fragen und Herausforderungen herauszuarbeiten, die im weiteren Prozess beantwortet werden sollen. Diese sorgfältige Anfangsarbeit bildet den Ausgangspunkt für zielgerichtete kreative und analytische Phasen.+Nachfolgende Visualisierungen bauen auf der Prozessbeschreibung aus dem Buch //Research Methods for Product Design// (Alex Milton & Paul Rodgers, 2013) auf. 
 +  
 +{{ :extras:wissikon:design-development:iterativer_design_prozess_vs_linearer_prozess.png?direct |}}
  
-==== 2. Recherche und Analyse (Discover!) ====+Obige Abbildung: Schleifendiagramm eines iterativen Design-Prozesses: Von einer Aufgabe (TASK) aus wächst eine Kette gepunkteter Schleifen mit den Stationen looking, asking, learning, prototyping, testing und evaluating, bis sie in ein Ergebnis (RESULT) mündet. Die zunehmende Schleifengröße steht für wachsenden Erkenntnisgewinn pro Iteration. Die vielen grau abgeblendeten RESULT-Zeilen neben dem hervorgehobenen Ergebnis verweisen auf die Bandbreite möglicher Ausgänge, die ein rein linearer Weg (die gestrichelte gerade Linie darunter) verfehlen würde.
  
-Parallel zur Problemdefinition erfolgt eine umfassende Recherche- und Analysearbeit, ebenfalls Teil der //<color #efe4B0/#00a2e8> Discover! </color>//-Phase. Ziel ist es, Wissen über den Projektkontext, bestehende Lösungen und relevante Trends zu sammeln und strukturiert aufzubereiten.  +{{ :extras:wissikon:design-development:design_prozess_iterative_schleife.png?direct |}}
  
-Hierbei werden sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden eingesetzt, etwa Nutzerinterviews, Marktanalysen, ethnografische Beobachtungen oder Desk Research. Der Fokus liegt auf der Vertiefung des Problemverständnisses und dem Aufspüren relevanter Einflussfaktoren.  +Obige Abbildung: Dargestellt ist eine einzelne Iterationsschleife mit vier aufeinanderfolgenden Stationen, die vor dem Übergang in die Umsetzung durchlaufen werden. Die gepunktete Linie kommt von links, steigt rechts auf, umläuft den Kreis gegen den Uhrzeigersinn, kreuzt beim Abstieg ihren eigenen Verlauf und führt nach rechts in //Implement//((The Art of Innovation: Lessons in Creativity from IDEO, America's Leading Design Firm. Kelley, Tom & Littman, Jonathan, 2001, New York)). 
 +  - **Understand:** Erschließung des Ausgangsrahmens, also Aufgabenstellung, Kontext, Markt, Technologie und Rahmenbedingungen. Dieser Schritt schafft die Grundlage, auf der die anschließende Beobachtung gezielt geplant werden kann. 
 +  - **Observe:** Beobachtung realer Menschen in realen Nutzungssituationen. Gesammelt werden Verhalten, Kontext und Feedback, qualitativ (Beobachtung, Gespräch) wie quantitativ (Nutzungsdaten, Messwerte), und daraus werden Muster, Bedürfnisse und Problemstellen abgeleitet. 
 +  - **Visualize:** Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Konzepte übersetzt und extern sichtbar gemacht, als Skizze, Szenario, Diagramm, Modell oder Prototyp. Erst dadurch werden sie kommunizierbar und überprüfbar. 
 +  - **Review:** Die Visualisierung wird anhand von Zielen, Kriterien oder Stakeholder-Feedback bewertet und verfeinert. Das Ergebnis entscheidet, ob eine weitere Iteration erforderlich ist oder ausreichend Sicherheit für die Umsetzung besteht. 
 +Die Abbildung zeigt nur einen Durchlauf. Dass die Schleife bei Bedarf mehrfach durchlaufen wird, ist im Bild nicht eingezeichnet, ergibt sich aber aus dem Modell.
  
-Die Erkenntnisse aus der Analyse helfen dabei, Muster, Bedürfnisse und Möglichkeiten zu erkennen, die später gezielt im Ideation- und Entwicklungsprozess aufgegriffen werden können. 
- 
-==== 3. Ideenfindung (Ideate!) ==== 
- 
-Die //<color #b5e61d/#22b14c> Ideate! </color>//-Phase steht im Zeichen kreativer Exploration. Sie eröffnet einen divergenten Denkraum, in dem möglichst viele unterschiedliche Lösungsideen ohne frühzeitige Bewertung entwickelt werden sollen.   
- 
-Kreativitätstechniken wie Brainstorming, Mind Mapping oder Design Sprints regen an, über Konventionen hinauszudenken und neue Perspektiven einzunehmen. Der Fokus liegt auf der Quantität und Vielfalt von Ansätzen, nicht auf deren sofortiger Umsetzbarkeit.   
- 
-Erste Skizzen, Szenarien oder Modelle können dazu dienen, Ideen zu konkretisieren und besser kommunizierbar zu machen. Die Ideate!-Phase ist offen für Wiederholungen, insbesondere wenn spätere Erkenntnisse neue Anforderungen oder Ansätze erforderlich machen. 
- 
-==== 4. Entwurfsentwicklung (Make!) ==== 
- 
-Nach der Ideengenerierung folgt in der //<color #ff7f27/#ffc90e> Make! </color>//-Phase die gezielte Weiterentwicklung ausgewählter Ansätze. Konzepte werden konkretisiert, ausgearbeitet und hinsichtlich Funktionalität, Ästhetik und Umsetzbarkeit überprüft.   
- 
-Scheme Design und Detailed Design strukturieren diese Phase: Zunächst wird das grundlegende Konzept formuliert, danach erfolgt die detaillierte Ausarbeitung von Interaktionen, Formen, Materialien und technischen Aspekten.   
- 
-Prototyping ist ein zentrales Arbeitsmittel: Durch Modelle, Dummies oder Simulationen können Annahmen getestet, Nutzerinteraktionen beobachtet und Designentscheidungen validiert werden. 
- 
-==== 5. Bewertung und Auswahl (Make!) ==== 
- 
-Die entwickelte Auswahl an Konzepten wird in der //<color #ff7f27/#ffc90e> Make! </color>//-Phase systematisch bewertet. Ziel ist es, Entwürfe hinsichtlich ihrer Passung zu Anforderungen, Nutzerbedürfnissen und Rahmenbedingungen zu analysieren.   
- 
-Dies geschieht anhand von Tests, Nutzerfeedback, Expertenmeinungen oder standardisierten Evaluationskriterien. Der Bewertungsprozess kann verschiedene Bewertungsmethoden umfassen, etwa Kriterienmatrizen, Szenariotests oder Usability-Assessments.   
- 
-Die Bewertung dient nicht als Abschluss, sondern als Reflexionsschritt: Sie ermöglicht gezielte Weiterentwicklung, Nachbesserung oder bewusste Auswahl zwischen Alternativen im Sinne eines offenen, iterativen Gestaltungsprozesses. 
- 
-==== 6. Umsetzung (Make!) ==== 
- 
-Die konkrete Umsetzung bildet den Abschluss der //<color #ff7f27/#ffc90e> Make! </color>//-Phase. Hier werden die finalen Entwürfe in prototypische oder produktionsnahe Ergebnisse überführt.   
- 
-Je nach Projekttyp erfolgt dies beispielsweise durch Modellbau, digitale Programmierung, Interface-Entwicklung oder die Konstruktion von Präsentations- und Testversionen. Materialauswahl, technologische Details und Ausführung stehen im Vordergrund.   
- 
-Die Umsetzung verlangt enge Abstimmung innerhalb des Projektteams und legt die Basis für eine überzeugende Präsentation und Evaluierung im Rahmen der nächsten Phase. 
- 
-==== 7. Überprüfung und Präsentation (Expose!) ==== 
- 
-Die //<color #ffc90e/#ed1c24> Expose! </color>//-Phase dient der Präsentation, Dokumentation und Überprüfung der entwickelten Lösungen. Hier werden Entwürfe sichtbar gemacht, kommuniziert und kritisch reflektiert.   
- 
-Dies kann durch Präsentationen, Ausstellungen, Zwischen- oder Enddokumentationen geschehen. Ziel ist es, Rückmeldungen aus verschiedenen Perspektiven einzuholen und das Projekt einer breiteren Reflexion zu öffnen.   
- 
-Die Ergebnisse dieser Überprüfung können Ausgangspunkt neuer Iterationen sein. Der Designprozess bleibt offen für Anpassungen und Weiterentwicklungen, um die Wirksamkeit und Relevanz der Lösungen kontinuierlich zu optimieren. 
/var/www/vhosts/ct-lab.info/wiki.ct-lab.info/data/attic/extras/wissikon/design-development/designphasen.1751794937.txt.gz · Last modified: by Felix Hardmood Beck