Beide Methoden helfen zu Projektbeginn, vorschnelle Festlegungen zu vermeiden: Perspektivwechsel verbessern das Verständnis des Problems, während Analogien den Raum möglicher Lösungen erweitern.
Zu Beginn eines Projekts sind Problem, Zielgruppen und mögliche Lösungen häufig noch nicht eindeutig bestimmt. In dieser Phase besteht die Gefahr, dass erste Annahmen ungeprüft übernommen oder bereits bekannte Lösungen lediglich reproduziert werden.
Analogien und Perspektivwechsel erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen:
Die Methoden gehören damit vor allem zum divergenten Denken. Ihre Ergebnisse werden anschließend durch Recherche, Bewertung, Prototyping und Tests überprüft und verdichtet.
Eine Analogie bezeichnet die Übertragung einer Beziehung, Struktur oder eines Funktionsprinzips von einem bekannten Ausgangsbereich auf einen neuen Zielbereich. Entscheidend ist nicht die äußerliche Ähnlichkeit, sondern eine vergleichbare innere Struktur.
Beispiel:
Analogien können:
Besonders produktiv sind Analogien aus Bereichen, die nicht unmittelbar mit der Aufgabenstellung verbunden sind. Beispiele können aus der Natur, aus Dienstleistungen, technischen Systemen, öffentlichen Räumen oder sozialen Prozessen stammen.
Analogien sind keine Beweise. Eine Lösung, die in einem Ausgangsbereich funktioniert, muss nicht automatisch für den neuen Kontext geeignet sein.
Typische Fehler sind:
Analogien sollten deshalb als Hypothesen und Inspirationsquellen behandelt und durch empirische Untersuchung sowie Tests überprüft werden.
Ein Perspektivwechsel betrachtet eine Situation bewusst aus einer anderen Rolle, Erfahrung oder Nutzungssituation. Im Human-Centered Design dient er dazu, die ursprüngliche Problemdefinition zu hinterfragen und unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Einschränkungen sichtbar zu machen.
Mögliche Perspektiven sind beispielsweise:
Perspektivwechsel können:
Ein Perspektivwechsel ist jedoch nicht mit tatsächlicher Nutzerforschung gleichzusetzen. Die Vorstellung einer fremden Perspektive bleibt zunächst eine Annahme und muss durch Beobachtungen, Interviews, Kontextanalysen oder Tests überprüft werden.
Human-Centered Design richtet die Entwicklung an den tatsächlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Nutzungskontexten von Menschen aus. Analogien und Perspektivwechsel unterstützen dabei verschiedene Teile des Prozesses.
| Prozessschritt | Perspektivwechsel | Analogien |
|---|---|---|
| Verstehen | Unterschiedliche Nutzungsrealitäten untersuchen | Vergleichbare Situationen und Systeme identifizieren |
| Problem definieren | Annahmen hinterfragen und relevante Bedürfnisse formulieren | Problemstrukturen mit bekannten Fällen vergleichen |
| Ideen entwickeln | Lösungen für unterschiedliche Perspektiven denken | Prinzipien aus anderen Bereichen übertragen |
| Prototyp entwickeln | Nutzungssituationen und Barrieren berücksichtigen | Übertragene Prinzipien konkret umsetzen |
| Testen | Reaktionen verschiedener Nutzungsgruppen untersuchen | Tragfähigkeit der Übertragung überprüfen |
Der Prozess ist nicht linear. Erkenntnisse aus Prototypen und Tests können eine erneute Problemdefinition, weitere Perspektivwechsel oder die Suche nach anderen Analogien erforderlich machen.
Die Aufgabenstellung wird zunächst lösungsoffen beschrieben.
Beispiel:
Wie kann die Orientierung auf einem Hochschulcampus für unterschiedliche Nutzergruppen verbessert werden?
Relevante Rollen und Nutzungssituationen werden identifiziert:
Für jede Perspektive wird unterschieden zwischen:
Mögliche Vergleichsbereiche werden gesammelt:
Nicht die konkrete Lösung, sondern das zugrunde liegende Prinzip wird beschrieben:
Die Prinzipien werden auf den Projektkontext übertragen und anschließend mit betroffenen Nutzungsgruppen getestet.