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extras:wissikon:nachhaltigkeit:the-seven-r [2025/12/02 09:57] – [Verbindung zu Club of Rome, „Limits to Growth“ und SDGs] Felix Hardmood Beckextras:wissikon:nachhaltigkeit:the-seven-r [2025/12/02 10:04] (current) – [Recycle] Felix Hardmood Beck
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 Die Seven Rs sind kein verbindlicher Standard, sondern ein didaktisches und politisches Raster, das je nach Quelle leicht variiert. Ziel ist stets, lineare „//take–make–waste//“-Modelle durch zirkuläre Strategien zu ersetzen und Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Design und Produktion bis zum Konsum und zur Entsorgung – neu zu denken.((Zur Vielfalt von R-Frameworks vgl. Reike et al. (2018): [[https://doi.org/10.1016/j.resconrec.2017.08.027|The circular economy: new or refurbished as CE 3.0]]?)) Die Seven Rs sind kein verbindlicher Standard, sondern ein didaktisches und politisches Raster, das je nach Quelle leicht variiert. Ziel ist stets, lineare „//take–make–waste//“-Modelle durch zirkuläre Strategien zu ersetzen und Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Design und Produktion bis zum Konsum und zur Entsorgung – neu zu denken.((Zur Vielfalt von R-Frameworks vgl. Reike et al. (2018): [[https://doi.org/10.1016/j.resconrec.2017.08.027|The circular economy: new or refurbished as CE 3.0]]?))
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-<WRAP center round tip 60%> 
-Must Read!! => [[the-upcycle-buch|The Upcycle, Beyond Sustainability]] – Designing for Abundance, William McDonough, Michael Braungart, North Point Press, New York, 2013 
-</WRAP> 
  
 ===== Herkunft und Entwicklung des Begriffs „Seven Rs“ ===== ===== Herkunft und Entwicklung des Begriffs „Seven Rs“ =====
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 Der [[club-of-rome|Club of Rome]] machte mit dem Bericht „The Limits to Growth“((Meadows et al. (1972): The Limits to Growth, im Auftrag des Club of Rome / https://en.wikipedia.org/wiki/The_Limits_to_Growth)) (1972) früh darauf aufmerksam, dass unbegrenztes Wachstum auf einem endlichen Planeten zu Ressourcenerschöpfung, Umweltzerstörung und systemischen Krisen führt. Die Modellrechnungen zeigten, dass ohne grundlegende Veränderungen in Produktion, Konsum und Bevölkerungsentwicklung langfristig ökologische und ökonomische Instabilitäten drohen. R-Strategien wie Reduce, Reuse oder Recycle adressieren genau jene Stellschrauben, an denen Ressourcendruck und Umweltbelastungen verringert werden können. Der [[club-of-rome|Club of Rome]] machte mit dem Bericht „The Limits to Growth“((Meadows et al. (1972): The Limits to Growth, im Auftrag des Club of Rome / https://en.wikipedia.org/wiki/The_Limits_to_Growth)) (1972) früh darauf aufmerksam, dass unbegrenztes Wachstum auf einem endlichen Planeten zu Ressourcenerschöpfung, Umweltzerstörung und systemischen Krisen führt. Die Modellrechnungen zeigten, dass ohne grundlegende Veränderungen in Produktion, Konsum und Bevölkerungsentwicklung langfristig ökologische und ökonomische Instabilitäten drohen. R-Strategien wie Reduce, Reuse oder Recycle adressieren genau jene Stellschrauben, an denen Ressourcendruck und Umweltbelastungen verringert werden können.
  
-Mit der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung (2015) haben die Vereinten Nationen 17 [[sustainable-development-goals|Sustainable Development Goals]] (SDGs) verabschiedet, die ökologische, soziale und ökonomische Ziele integrieren.((UN General Assembly (2015): Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development.)) Besonders relevant für die Seven Rs ist SDG 12 „//Responsible Consumption and Production//“, das eine grundlegende Veränderung von Produktions- und Konsummustern fordert – mit Betonung auf Ressourceneffizienz, Abfallvermeidung und nachhaltige Lebensstile.+Mit der //2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung// (2015) haben die Vereinten Nationen 17 [[sustainable-development-goals|Sustainable Development Goals]] (SDGs) verabschiedet, die ökologische, soziale und ökonomische Ziele integrieren.((UN General Assembly (2015): Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development: https://sdgs.un.org/2030agenda)) Besonders relevant für die Seven Rs ist SDG 12 „//Responsible Consumption and Production//((https://www.bmz.de/de/agenda-2030/sdg-12)), das eine grundlegende Veränderung von Produktions- und Konsummustern fordert – mit Betonung auf Ressourceneffizienz, Abfallvermeidung und nachhaltige Lebensstile.
  
 Die Seven Rs lassen sich als praktische Übersetzung dieser abstrakten Ziele in alltägliche Handlungen und Gestaltungsprinzipien verstehen: Die Seven Rs lassen sich als praktische Übersetzung dieser abstrakten Ziele in alltägliche Handlungen und Gestaltungsprinzipien verstehen:
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 Recycle bezeichnet die stoffliche Verwertung von Materialien, bei der Produkte in ihre Grundmaterialien zerlegt und in neuen Produkten eingesetzt werden. Klassische Beispiele sind das Recycling von Metallen, Glas, Papier oder bestimmten Kunststoffen. Aus Sicht der R-Hierarchie ist Recycling nötig, wenn Reuse oder Repurpose nicht mehr möglich sind – etwa bei beschädigten Produkten oder Produktreststoffen. Gleichzeitig ist Recycling mit Energieaufwand, Materialverlusten und Qualitätsdegradation verbunden, weshalb es zwar wichtig, aber nicht die bevorzugte Lösung ist. In der Circular-Economy-Forschung wird Recycling daher als „langer Loop“ verstanden, der durch kurzzyklische Strategien wie Reuse und Repair ergänzt werden muss. Recycle bezeichnet die stoffliche Verwertung von Materialien, bei der Produkte in ihre Grundmaterialien zerlegt und in neuen Produkten eingesetzt werden. Klassische Beispiele sind das Recycling von Metallen, Glas, Papier oder bestimmten Kunststoffen. Aus Sicht der R-Hierarchie ist Recycling nötig, wenn Reuse oder Repurpose nicht mehr möglich sind – etwa bei beschädigten Produkten oder Produktreststoffen. Gleichzeitig ist Recycling mit Energieaufwand, Materialverlusten und Qualitätsdegradation verbunden, weshalb es zwar wichtig, aber nicht die bevorzugte Lösung ist. In der Circular-Economy-Forschung wird Recycling daher als „langer Loop“ verstanden, der durch kurzzyklische Strategien wie Reuse und Repair ergänzt werden muss.
  
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 +<WRAP center round tip 60%>
 +Must Read!! => [[the-upcycle-buch|The Upcycle, Beyond Sustainability]] – Designing for Abundance, William McDonough, Michael Braungart, North Point Press, New York, 2013
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 +In „The Upcycle“ beschreiben McDonough und Braungart u.a. die //Technosphäre// und die //Biosphäre// als zwei unterschiedliche, aber miteinander verflochtene Stoffkreisläufe, in denen Materialien zirkulieren sollen, ohne Schaden zu verursachen. In der Biosphäre zirkulieren „biologische Nährstoffe“ wie Holz, Baumwolle oder andere organische Materialien, die so gestaltet sein sollten, dass sie nach der Nutzung gefahrlos kompostiert oder in biologische Systeme zurückgeführt werden können. Die Technosphäre hingegen umfasst „technische Nährstoffe“ wie Metalle, hochwertige Kunststoffe oder Verbundwerkstoffe, die so konzipiert und genutzt werden sollen, dass sie dauerhaft in industriellen Kreisläufen zirkulieren – über Demontage, Wiederverwendung, Remanufacturing und Upcycling, ohne Qualitätsverlust oder Downcycling. 
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 ==== Rot (Kompostieren) ==== ==== Rot (Kompostieren) ====
  
 Rot bezieht sich auf die biologische Verwertung organischer Materialien durch Kompostierung, Vergärung oder andere biologische Prozesse. Statt biogene Abfälle (Lebensmittelreste, Gartenabfälle, bestimmte Naturfasern etc.) zu verbrennen oder zu deponieren, werden sie in Nährstoffkreisläufe zurückgeführt und können Böden verbessern oder Biogas liefern. Rot schließt damit den biologischen Kreislauf und reduziert Methanemissionen aus Deponien sowie den Bedarf an künstlichen Düngemitteln. In Verbindung mit nachhaltiger Landwirtschaft und Stadtplanung adressiert Rot sowohl Klimaschutz (SDG 13) als auch Bodengesundheit und Biodiversität (SDG 15). Rot bezieht sich auf die biologische Verwertung organischer Materialien durch Kompostierung, Vergärung oder andere biologische Prozesse. Statt biogene Abfälle (Lebensmittelreste, Gartenabfälle, bestimmte Naturfasern etc.) zu verbrennen oder zu deponieren, werden sie in Nährstoffkreisläufe zurückgeführt und können Böden verbessern oder Biogas liefern. Rot schließt damit den biologischen Kreislauf und reduziert Methanemissionen aus Deponien sowie den Bedarf an künstlichen Düngemitteln. In Verbindung mit nachhaltiger Landwirtschaft und Stadtplanung adressiert Rot sowohl Klimaschutz (SDG 13) als auch Bodengesundheit und Biodiversität (SDG 15).
/var/www/vhosts/ct-lab.info/wiki.ct-lab.info/data/attic/extras/wissikon/nachhaltigkeit/the-seven-r.1764669425.txt.gz · Last modified: by Felix Hardmood Beck