Das Lastenheft ist das zentrale Ausgangsdokument eines Projektauftrags. Darin hält der Auftraggeber fest, was erreicht werden soll und wofür. Wie das Ergebnis technisch umgesetzt wird, steht nicht im Lastenheft. Diese Frage beantwortet der Auftragnehmer später im Pflichtenheft.
Im Modul Projektmanagement stellen die Betreuenden der Projekte das Lastenheft bereit. Auf dieser Grundlage erstellen die Teams ihr Pflichtenheft und den Projektplan.
Die DIN 69901-5 definiert das Lastenheft als die
„vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers innerhalb eines Auftrages“ (DIN 69901-5:2009-01).
Das Pflichtenheft umfasst dagegen die
„vom Auftragnehmer erarbeiteten Realisierungsvorgaben aufgrund der Umsetzung des vom Auftraggeber vorgegebenen Lastenheftes“ (DIN 69901-5:2009-01).
Wie man beim Erstellen beider Dokumente vorgeht, beschreibt die Richtlinie VDI 2519 Blatt 1.
| Merkmal | Lastenheft | Pflichtenheft |
|---|---|---|
| Verfasser | Auftraggeber | Auftragnehmer (hier: das Projektteam) |
| Leitfrage | Was soll erreicht werden und wofür? | Wie und womit wird es umgesetzt? |
| Inhalt | Ziele, Anforderungen, Randbedingungen, Abnahmeerwartung | Lösungskonzept, technische Spezifikation, Prüfkriterien |
| Detailgrad | lösungsneutral, so konkret wie nötig | lösungsbezogen, so konkret wie möglich |
| Zeitpunkt | vor Projektbeginn | nach Analyse des Lastenhefts, vor der Umsetzung |
| Verbindlichkeit | Grundlage für Angebot bzw. Auftrag | Grundlage für Umsetzung und Abnahme |
Beide Dokumente bauen aufeinander auf. Jede Position im Pflichtenheft muss sich auf mindestens eine Forderung im Lastenheft zurückführen lassen. Umgekehrt muss jede Forderung des Lastenhefts im Pflichtenheft beantwortet werden.
Für Lastenhefte gibt es keine allgemein verbindliche Gliederung. Die Vorlage für das Modul Projektmanagement ist wie folgt aufgebaut:
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| Deckblatt | Projektname, Auftraggeber, Betreuung, Ausgabe und Änderungsstand |
| Änderungsdokumentation | Datum, Beschreibung und Bearbeiter jeder Änderung |
| 1 Zielsetzung | Ausgangssituation, Problemstellung, angestrebtes Ergebnis |
| 2 Organisatorische Rahmenbedingungen | Termine, Gruppengröße, Arbeitsort, Hilfsmittel, Budget, Sicherheit, Ansprechpartner |
| 3 Leistungsbeschreibung | Aufgaben und Arbeitsumfang, Anforderungen mit IDs, erwartete Ergebnisse und Abnahme |
| 4 Voraussetzungen | hilfreiche Vorkenntnisse (optional) |
| 5 Mitgeltende Unterlagen | Ordnungen, Datenblätter, Normen, die für das Projekt verbindlich sind |
Eine einzelne Anforderung sollte nach ISO/IEC/IEEE 29148:2018 unter anderem folgende Eigenschaften haben:
| Ungeeignet | Problem | Besser |
|---|---|---|
| „Die Winde soll schnell und genau sein.“ | nicht prüfbar, zwei Sachverhalte | „Verfahrgeschwindigkeit und Positioniergenauigkeit werden vor Konstruktionsbeginn quantitativ festgelegt.“ (Randbedingung) |
| „Der Wagen soll praktisch sein.“ | subjektiv, nicht prüfbar | „Komponenten und Werkzeuge sind ohne Umräumen zugänglich.“ |
| „Ein ESP32 steuert einen Schrittmotor an.“ | nimmt die Lösung vorweg; gehört ins Pflichtenheft | „Die aktuelle Position der Last wird erfasst.“ |
Jede wesentliche Anforderung und Randbedingung erhält eine eindeutige ID, z. B. LH-001, LH-002 usw. Diese ID bleibt während des gesamten Projekts unverändert. Wird eine Anforderung gestrichen, wird ihre ID nicht neu vergeben.
Im Pflichtenheft verweisen die Positionen auf diese IDs. So entsteht eine eindeutige Verknüpfung zwischen Forderung (Lastenheft) und Umsetzung (Pflichtenheft). Bei der Abnahme lässt sich für jede ID zeigen, ob und wie sie erfüllt wurde.
Zusätzlich können zwei weitere Kennungen verwendet werden:
OP-001, OP-002 usw. kennzeichnen offene Punkte, die noch geklärt werden müssen.AN-001, AN-002 usw. kennzeichnen Annahmen. Eine Annahme ist eine vorläufig als gültig gesetzte Randbedingung, die im Projektverlauf bestätigt oder verworfen werden muss.Beispiel für die Verknüpfung:
| Lastenheft | Pflichtenheft |
|---|---|
LH-009 Die Last wird im Stillstand und bei Stromausfall sicher gehalten. | PH-014 (bezieht sich auf LH-009): Antrieb über selbsthemmendes Schneckengetriebe; Nachweis durch Halteversuch mit Prüflast bei getrennter Versorgung. |