Das Pflichtenheft ist die Antwort des Auftragnehmers auf das Lastenheft. Das Lastenheft legt fest, was erreicht werden soll. Das Pflichtenheft beschreibt, wie und womit diese Forderungen umgesetzt werden und wie sich ihre Erfüllung nachweisen lässt.
Im Modul Projektmanagement erstellen die Projektteams das Pflichtenheft auf Basis des Lastenhefts, das ihnen die Betreuung bereitstellt. Ist das Pflichtenheft mit der Betreuung abgestimmt und freigegeben, ist es die verbindliche Grundlage für Umsetzung, Projektplanung und Abnahme.
Die DIN 69901-5 definiert das Pflichtenheft als die
„vom Auftragnehmer erarbeiteten Realisierungsvorgaben aufgrund der Umsetzung des vom Auftraggeber vorgegebenen Lastenheftes“ (DIN 69901-5:2009-01).
In der VDI 2519 Blatt 1 heißt es:
„Beschreibung der Realisierung aller Kundenanforderungen, die im Lastenheft gefordert werden“ (VDI 2519 Blatt 1:2001-12).
Im internationalen Sprachgebrauch entspricht das Pflichtenheft weitgehend der System Requirements Specification bzw. der Software Requirements Specification (ISO/IEC/IEEE 29148:2018). Das V-Modell XT bezeichnet es als Gesamtsystemspezifikation.
| Merkmal | Lastenheft | Pflichtenheft |
|---|---|---|
| Verfasser | Auftraggeber | Auftragnehmer (hier: das Projektteam) |
| Leitfrage | Was soll erreicht werden und wofür? | Wie und womit wird es umgesetzt? |
| Perspektive | Problem und Bedarf | Lösung und Nachweis |
| Detailgrad | lösungsneutral | lösungsbezogen, konkret und messbar |
| Kennung | LH-xxx | eigene IDs mit Verweis auf LH-xxx |
| Funktion | Grundlage für Angebot und Auftrag | Grundlage für Umsetzung, Planung und Abnahme |
Wie das Pflichtenheft im Kurs gegliedert wird, gibt die Pflichtenheftvorlage für das jeweilige Semester vor. Inhaltlich enthält ein Pflichtenheft in der Regel folgende Teile:
| Inhalt | Leitfrage |
|---|---|
| Bezug zum Lastenheft | Auf welches Lastenheft, in welcher Version, bezieht sich das Dokument? |
| Ausgangslage / Bestandsaufnahme | Was ist vorhanden, was funktioniert, was fehlt? |
| Lösungskonzept | Wie sieht die Gesamtlösung aus? Welche Varianten wurden geprüft und warum wurde diese gewählt? |
| Spezifikation der Anforderungen | Wie wird jede LH-Position konkret umgesetzt, mit welchen Kennwerten? |
| Schnittstellen | Welche mechanischen, elektrischen, datentechnischen und Bedienschnittstellen gibt es? |
| Abgrenzung | Was wird ausdrücklich nicht umgesetzt? |
| Annahmen und Risiken | Wovon geht das Team aus? Was könnte die Umsetzung gefährden? |
| Prüf- und Abnahmeplan | Wie und unter welchen Bedingungen wird jede Forderung nachgewiesen? |
Jede Position im Pflichtenheft erhält eine eigene, eindeutige ID und verweist auf die zugehörigen IDs aus dem Lastenheft. Daraus ergeben sich zwei Prüfregeln:
LH-Position wird von mindestens einer Pflichtenheftposition beantwortet. Bleibt eine LH-Position bewusst unbearbeitet, etwa eine Kann-Anforderung, wird das begründet festgehalten.LH-Position zurückführen. Positionen ohne Bezug sind entweder überflüssig oder decken eine Lücke im Lastenheft auf, die mit dem Auftraggeber zu klären ist.Eine Pflichtenheftposition sollte mindestens enthalten:
LH-ID(s)Beispiel (Projekt Seilwinde):
| Lastenheft | Pflichtenheft (Beispiel) |
|---|---|
LH-009 Die Last wird im Stillstand und bei Stromausfall sicher gehalten; sie sinkt nicht unkontrolliert ab. | Bezug LH-009. Umsetzung: selbsthemmendes Schneckengetriebe. Prüfkriterium: Bei 1,0 kg Prüflast in 100 cm Höhe beträgt das Absinken nach Trennung der Versorgung über 10 min höchstens 1 mm. Nachweis: Test, 5 Wiederholungen. |
Die Zahlenwerte im Beispiel sind frei gewählt und dienen nur der Veranschaulichung.
Zur Übersicht eignet sich eine Rückverfolgbarkeitsmatrix (Traceability-Matrix). Darin stehen die LH-IDs in den Zeilen und die zugehörigen Pflichtenheftpositionen, Prüffälle und Ergebnisse in den Spalten.
Im Systems Engineering unterscheidet man üblicherweise vier Arten des Nachweises:
| Methode | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Inspektion | Sichtprüfung oder Vermessung ohne Betrieb | Kabel sind geordnet geführt; Rollen sind feststellbar |
| Analyse | Berechnung, Simulation, Auswertung von Datenblättern | Auslegung von Motor und Seil für die maximale Last |
| Demonstration | Vorführung einer Funktion ohne quantitative Messung | Bedienoberfläche mit Auf, Ab und Stopp |
| Test | Messung unter festgelegten Bedingungen, mit Protokoll | Positionsabweichung über 20 Anfahrzyklen |
Muss-Anforderungen mit Kennwerten werden in der Regel durch Test nachgewiesen.
OP) geklärt und Annahmen (AN) bestätigt oder verworfen.