Letraset war ein bekanntes Transfersystem für Schrift und grafische Elemente, das vor allem vor der breiten Verfügbarkeit digitaler Layoutprogramme in Design, Grafik und Architektur verwendet wurde. Anstatt Buchstaben zu drucken oder zu setzen, konnten einzelne Zeichen, Wörter oder Symbole trocken von einer Folie auf Papier, Karton oder andere glatte Oberflächen übertragen werden. Dadurch ließ sich Typografie vergleichsweise sauber, präzise und ohne aufwendige Satztechnik in Entwürfe, Präsentationen, Skizzen oder Reinzeichnungen integrieren. Besonders in der analogen Gestaltungsarbeit war Letraset über viele Jahre ein wichtiges Werkzeug, weil es eine direkte, kontrollierte und visuell hochwertige Methode bot, Schrift in den Entwurfsprozess einzubringen.
Die Anwendung war einfach, verlangte jedoch Genauigkeit und eine ruhige Hand. Die gewünschten Buchstaben oder grafischen Elemente wurden auf einer Trägerfolie ausgewählt, exakt über der Zielposition platziert und anschließend mit einem stumpfen Werkzeug, etwa einem Stift oder Holzspatel, auf das Papier gerieben. Durch diesen Druck löste sich das jeweilige Zeichen von der Folie und blieb auf dem Untergrund haften. Da die Übertragung dauerhaft war und sich nur schwer korrigieren ließ, erforderte die Arbeit mit Letraset eine sorgfältige Planung von Abständen, Ausrichtung und Komposition. Gerade deshalb förderte das Medium ein bewusstes Arbeiten mit Typografie, Proportion und Layout.
Letraset steht exemplarisch für eine Phase der Designgeschichte, in der grafische Gestaltung stark von manuellen, handwerklichen und materiellen Prozessen geprägt war. Für viele Gestalter*innen war es ein zentrales Hilfsmittel, um Überschriften, Beschriftungen, Pläne, Poster oder Präsentationstafeln professionell auszuarbeiten. Gleichzeitig beeinflusste Letraset auch die visuelle Kultur, weil bestimmte Schriften und Anmutungen durch die Verfügbarkeit auf Transferbögen weite Verbreitung fanden. Heute ist Letraset nicht nur ein historisches Werkzeug, sondern auch ein Beispiel dafür, wie analoge Medien gestalterische Entscheidungen, Arbeitsweisen und ästhetische Ergebnisse prägen. Im Rückblick macht es sichtbar, wie eng Technik, Material und Entwurfspraxis miteinander verbunden sind.