UX-Gesetz 10

Tesler's Law verständlich erklärt

Tesler's Law beschreibt, dass jede Aufgabe eine unvermeidbare Komplexität besitzt. Diese Komplexität lässt sich nicht vollständig entfernen. Sie kann nur unterschiedlich verteilt werden, entweder stärker auf das System oder stärker auf den User.

Was beschreibt Tesler's Law?

Manche Aufgaben sind komplex, weil ihr Inhalt komplex ist. Ein Buchungsprozess, eine Konfiguration, ein Antrag oder eine professionelle Softwarefunktion lässt sich nicht vollständig in etwas vollkommen Einfaches verwandeln. Die Komplexität bleibt vorhanden, auch wenn sie nicht immer sichtbar ist.

Für UX bedeutet das: Die entscheidende Frage ist nicht, ob Komplexität existiert, sondern wo sie getragen wird. Ein gutes System übernimmt Routine, Berechnung, Vorauswahl und Struktur dort, wo das sinnvoll ist. Gleichzeitig muss es dem User genug Kontrolle und Transparenz lassen, damit wichtige Entscheidungen nachvollziehbar bleiben.

Typische Anwendungsbeispiele

In Buchungsprozessen kann das System verfügbare Optionen vorfiltern, Preise berechnen und irrelevante Wege ausblenden. In komplexen Formularen können Plausibilitätsprüfungen, Voreinstellungen und Schritt-für-Schritt-Strukturen helfen. In professioneller Software können Standardoptionen einfach zugänglich sein, während tiefergehende Konfigurationen bewusst nachgelagert werden.

Tesler's Law ist besonders relevant, wenn Produkte komplexe Aufgaben abbilden und entschieden werden muss, welche Anteile das System übernehmen sollte und welche beim User bleiben müssen.

Interaktive Demonstration

Beide Varianten behandeln dieselbe fiktive Aufgabe: die Konfiguration eines Dienstes. Links muss der User fast alle Komplexität selbst tragen. Rechts übernimmt das System sinnvolle Teile im Hintergrund. Die Aufgabe bleibt in beiden Fällen komplex, aber die Verteilung der Belastung ist unterschiedlich.

Komplexität liegt vor allem beim User

Alle Optionen manuell vergleichen
Der User muss selbst filtern, sortieren und priorisieren.
User
Abhängigkeiten selbst verstehen
Konsequenzen einzelner Entscheidungen bleiben unklar.
User
Relevanz selbst einschätzen
Auch irrelevante oder seltene Optionen erscheinen sofort.
User
Fehler selbst vermeiden
Wenig Unterstützung, hohe Eigenverantwortung im Ablauf.
User
Die Komplexität der Aufgabe ist vorhanden, wird aber fast vollständig auf den User verlagert.

Komplexität wird sinnvoll verteilt

Relevante Optionen werden vorgefiltert
Das System reduziert unnötige Sichtbarkeit, ohne Kontrolle zu nehmen.
System
Abhängigkeiten werden erklärt oder berechnet
Konsequenzen werden sichtbar, bevor Entscheidungen getroffen werden.
System
Standards sind vorausgewählt
Routine wird übernommen, individuelle Entscheidungen bleiben möglich.
Verteilt
Der User entscheidet nur an wichtigen Stellen
Die Komplexität bleibt, wird aber besser organisiert.
User + System
Die Aufgabe bleibt komplex, aber das System übernimmt sinnvolle Teile und entlastet den User dort, wo es möglich ist.
Gesetz präzise getroffen
Die Demo zeigt nicht einfache gegen schwierige Aufgaben, sondern dieselbe unvermeidbare Komplexität in unterschiedlicher Verteilung.
Keine falsche Vereinfachung
Die gute Variante entfernt die Komplexität nicht, sondern organisiert und übernimmt Teile davon sinnvoll.
Seitenlogik passt zum Gesetz
Die Seite strukturiert anspruchsvolle Inhalte klar, ohne so zu tun, als sei das Thema selbst trivial.