Creative Technologies Lab | dokuWiki

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extras:wissikon:media-design:barrierefreiheit_und_inklusive_gestaltung

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 Dieser Artikel verbindet technische und rechtliche Grundlagen mit gestalterischen Handlungsmöglichkeiten. Bei konkreten Anforderungen wird zwischen ihrem jeweiligen Geltungsbereich und weiterführenden Empfehlungen unterschieden. Die Beispiele zu Projektarbeit und Gestaltung dienen der Anwendung im Studium; sie sind keine vollständigen Konformitätsprüfungen. Dieser Artikel verbindet technische und rechtliche Grundlagen mit gestalterischen Handlungsmöglichkeiten. Bei konkreten Anforderungen wird zwischen ihrem jeweiligen Geltungsbereich und weiterführenden Empfehlungen unterschieden. Die Beispiele zu Projektarbeit und Gestaltung dienen der Anwendung im Studium; sie sind keine vollständigen Konformitätsprüfungen.
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 +Für den Einstieg sind die Erläuterungen und Beispiele dieser Seite vorgesehen. Die Fußnoten belegen Aussagen und ermöglichen eine gezielte Vertiefung. Englische Fachtexte, Gesetzestexte und technische Spezifikationen erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Am Ende der Seite sind geeignete Lesewege mit Sprache, Voraussetzungen und konkretem Nutzen angegeben. Eine vollständige Lektüre sämtlicher Quellen oder der Erwerb von Normvolltexten wird für diese Einführung nicht vorausgesetzt.
  
 ===== 1. Barrierefreiheit, Inklusion und Gestaltung ===== ===== 1. Barrierefreiheit, Inklusion und Gestaltung =====
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 ==== Was bedeutet Barrierefreiheit? ==== ==== Was bedeutet Barrierefreiheit? ====
  
-Barrierefreiheit beschreibt die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Angeboten für Menschen mit Behinderungen. Im digitalen Bereich betrifft dies unter anderem Informationen, Navigation, Eingabe und die Zusammenarbeit mit assistiven Technologien. Eine Anwendung kann visuell überzeugend gestaltet sein und dennoch unzugänglich bleiben, wenn beispielsweise ihre Bedienelemente für einen Screenreader keine verständlichen Bezeichnungen besitzen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/fundamentals/accessibility-intro/|Introduction to Web Accessibility]].))+Barrierefreiheit beschreibt die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Angeboten für Menschen mit Behinderungen. Im digitalen Bereich betrifft dies unter anderem Informationen, Navigation, Eingabe und die Zusammenarbeit mit assistiven Technologien. Eine Anwendung kann visuell überzeugend gestaltet sein und dennoch unzugänglich bleiben, wenn beispielsweise ihre Bedienelemente für einen Screenreader keine verständlichen Bezeichnungen besitzen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/fundamentals/accessibility-intro/|Introduction to Web Accessibility (englisch)]].))
  
 Eine Barriere entsteht im Zusammenspiel von menschlichen Voraussetzungen und einer gestalteten Umgebung. Wenn eine Installation nur auf gesprochene Befehle reagiert, setzt sie voraus, dass alle Beteiligten sprechen können und vom System erkannt werden. Eine alternative Eingabemöglichkeit verändert diese Voraussetzung. Eine Barriere entsteht im Zusammenspiel von menschlichen Voraussetzungen und einer gestalteten Umgebung. Wenn eine Installation nur auf gesprochene Befehle reagiert, setzt sie voraus, dass alle Beteiligten sprechen können und vom System erkannt werden. Eine alternative Eingabemöglichkeit verändert diese Voraussetzung.
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 Inklusive Gestaltung verfolgt das Ziel, unterschiedliche Menschen möglichst umfassend zu beteiligen und Ausschlüsse frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören neben Behinderungen beispielsweise Unterschiede in Sprache, Erfahrung, technischer Ausstattung oder wirtschaftlichen Zugangsmöglichkeiten. Inklusive Gestaltung verfolgt das Ziel, unterschiedliche Menschen möglichst umfassend zu beteiligen und Ausschlüsse frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören neben Behinderungen beispielsweise Unterschiede in Sprache, Erfahrung, technischer Ausstattung oder wirtschaftlichen Zugangsmöglichkeiten.
  
-[[extras:wissikon:design-development:usability|Usability]] betrachtet, wie gut bestimmte Menschen ihre Ziele mit einem Angebot in einem bestimmten Nutzungskontext erreichen. Barrierefreiheit richtet den Blick besonders auf Anforderungen von Menschen mit Behinderungen. Inklusive Gestaltung erweitert die Betrachtung auf Vielfalt und Beteiligung. Die Ansätze überschneiden sich und sollten gemeinsam berücksichtigt werden.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/fundamentals/accessibility-usability-inclusion/|Accessibility, Usability, and Inclusion]].))+[[extras:wissikon:design-development:usability|Usability]] betrachtet, wie gut bestimmte Menschen ihre Ziele mit einem Angebot in einem bestimmten Nutzungskontext erreichen. Barrierefreiheit richtet den Blick besonders auf Anforderungen von Menschen mit Behinderungen. Inklusive Gestaltung erweitert die Betrachtung auf Vielfalt und Beteiligung. Die Ansätze überschneiden sich und sollten gemeinsam berücksichtigt werden.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/fundamentals/accessibility-usability-inclusion/|Accessibility, Usability, and Inclusion (englisch)]].))
  
 Für Creative Technologies ergeben sich daraus zwei miteinander verbundene Aufgaben: Für Creative Technologies ergeben sich daraus zwei miteinander verbundene Aufgaben:
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 Menschen unterscheiden sich in ihren Möglichkeiten, Informationen wahrzunehmen, sich zu bewegen, zu kommunizieren und Aufgaben zu bearbeiten. Diese Möglichkeiten können sich im Tagesverlauf oder über längere Zeit verändern. Mehrere Beeinträchtigungen können gleichzeitig auftreten. Menschen unterscheiden sich in ihren Möglichkeiten, Informationen wahrzunehmen, sich zu bewegen, zu kommunizieren und Aufgaben zu bearbeiten. Diese Möglichkeiten können sich im Tagesverlauf oder über längere Zeit verändern. Mehrere Beeinträchtigungen können gleichzeitig auftreten.
  
-Neben dauerhaften und vorübergehenden Beeinträchtigungen beeinflussen auch Situationen die Nutzung: Eine laute Umgebung erschwert das Verstehen von Sprache, eine starke Lichtquelle die Erkennbarkeit eines Displays. Solche Situationen können ähnliche Anforderungen an eine Gestaltung sichtbar machen. Die Lebensrealität einer Behinderung geht jedoch über eine einzelne erschwerte Nutzungssituation hinaus.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/people-use-web/abilities-barriers/|Diverse Abilities and Barriers]].))+Neben dauerhaften und vorübergehenden Beeinträchtigungen beeinflussen auch Situationen die Nutzung: Eine laute Umgebung erschwert das Verstehen von Sprache, eine starke Lichtquelle die Erkennbarkeit eines Displays. Solche Situationen können ähnliche Anforderungen an eine Gestaltung sichtbar machen. Die Lebensrealität einer Behinderung geht jedoch über eine einzelne erschwerte Nutzungssituation hinaus.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/people-use-web/abilities-barriers/|Diverse Abilities and Barriers (englisch)]].))
  
 ^ Bereich ^ Mögliche Barriere ^ Ansatz für den Entwurf ^ ^ Bereich ^ Mögliche Barriere ^ Ansatz für den Entwurf ^
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 Ein Screenreader erschließt unter anderem Überschriften, Links und Bedienelemente anhand der technisch bereitgestellten Struktur. Tastaturbedienung ermöglicht die Navigation ohne Maus. Eine zugängliche Anwendung muss deshalb auch auf einer Ebene funktionieren, die in einer Bildschirmansicht allein nicht erkennbar ist. Ein Screenreader erschließt unter anderem Überschriften, Links und Bedienelemente anhand der technisch bereitgestellten Struktur. Tastaturbedienung ermöglicht die Navigation ohne Maus. Eine zugängliche Anwendung muss deshalb auch auf einer Ebene funktionieren, die in einer Bildschirmansicht allein nicht erkennbar ist.
  
-Im Studium sollte der Umgang mit solchen Bedienweisen praktisch erprobt werden. Besonders aufschlussreich ist die Beobachtung, wie erfahrene Nutzer*innen ihre eigenen Hilfsmittel einsetzen. Eine kurze eigene Erprobung ersetzt deren Erfahrung nicht.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/people-use-web/|How People with Disabilities Use the Web]].))+Im Studium sollte der Umgang mit solchen Bedienweisen praktisch erprobt werden. Besonders aufschlussreich ist die Beobachtung, wie erfahrene Nutzer*innen ihre eigenen Hilfsmittel einsetzen. Eine kurze eigene Erprobung ersetzt deren Erfahrung nicht.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/people-use-web/|How People with Disabilities Use the Web (englisch)]].))
  
 ===== 3. Rechtliche Anforderungen und technische Standards ===== ===== 3. Rechtliche Anforderungen und technische Standards =====
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 | EAA | European Accessibility Act, Richtlinie (EU) 2019/882 | Europäische Grundlage, die in Deutschland durch das BFSG umgesetzt wird | | EAA | European Accessibility Act, Richtlinie (EU) 2019/882 | Europäische Grundlage, die in Deutschland durch das BFSG umgesetzt wird |
  
-Die WCAG sind für sich genommen kein Gesetz. Rechtliche Verbindlichkeit entsteht im jeweiligen gesetzlichen oder vertraglichen Zusammenhang. Die EN 301 549 ist eine technische Referenz; für die rechtliche Bewertung sind insbesondere die anwendbare Fassung und ihre Bekanntmachung im jeweiligen Rechtsrahmen relevant. Ein Entwurf mit dem Ziel „WCAG 2.2 AA“ ist deshalb nicht automatisch ein vollständiger Nachweis dafür, dass sämtliche Anforderungen des BFSG oder einer BITV erfüllt sind.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/standards-guidelines/wcag/|WCAG 2 Overview]]. Bundesfachstelle Barrierefreiheit: [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/Normen-und-Standards/normen-und-standards_node|Normen und Standards zum BFSG]].))+Die WCAG sind für sich genommen kein Gesetz. Rechtliche Verbindlichkeit entsteht im jeweiligen gesetzlichen oder vertraglichen Zusammenhang. Die EN 301 549 ist eine technische Referenz; für die rechtliche Bewertung sind insbesondere die anwendbare Fassung und ihre Bekanntmachung im jeweiligen Rechtsrahmen relevant. Ein Entwurf mit dem Ziel „WCAG 2.2 AA“ ist deshalb nicht automatisch ein vollständiger Nachweis dafür, dass sämtliche Anforderungen des BFSG oder einer BITV erfüllt sind.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/standards-guidelines/wcag/|WCAG 2 Overview (englisch)]]. Bundesfachstelle Barrierefreiheit: [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/Normen-und-Standards/normen-und-standards_node|Normen und Standards zum BFSG]].))
  
 ==== Öffentliche Stellen und Hochschulangebote ==== ==== Öffentliche Stellen und Hochschulangebote ====
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 ==== Räumliche Projekte und physische Zugänglichkeit ==== ==== Räumliche Projekte und physische Zugänglichkeit ====
  
-Bei Ausstellungen und Installationen müssen digitale und räumliche Zugänglichkeit gemeinsam betrachtet werden. In NRW enthält beispielsweise § 49 BauO NRW Anforderungen an barrierefreies Bauen bei öffentlich zugänglichen baulichen Anlagen. Welche baulichen Vorgaben im konkreten Projekt anzuwenden sind, ist mit Betreiber und Fachplanung zu klären. Eine WCAG-Prüfung erfasst diese Anforderungen nicht.(([[https://recht.nrw.de/taxonomy/term/32203/|BauO NRW 2018, insbesondere § 49]].))+Bei Ausstellungen und Installationen müssen digitale und räumliche Zugänglichkeit gemeinsam betrachtet werden. In NRW enthält beispielsweise § 49 BauO NRW Anforderungen an barrierefreies Bauen bei öffentlich zugänglichen baulichen Anlagen. Welche baulichen Vorgaben im konkreten Projekt anzuwenden sind, ist mit Betreiber und Fachplanung zu klären. Eine WCAG-Prüfung erfasst diese Anforderungen nicht.(([[https://recht.nrw.de/lrgv/gesetz/01092026-landesbauordnung-2018-bauo-nrw-2018/|BauO NRW 2018, insbesondere § 49]].))
  
 Für die Projektplanung folgt daraus: Display, Software, Bedienelemente, Aufstellort und Zugang müssen zusammen untersucht werden. Für die Projektplanung folgt daraus: Display, Software, Bedienelemente, Aufstellort und Zugang müssen zusammen untersucht werden.
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 | Robust | Inhalte müssen von unterschiedlichen Programmen und assistiven Technologien zuverlässig interpretiert werden können. | Ein Bedienelement besitzt technisch einen passenden Namen, eine Rolle und einen erkennbaren Zustand. | | Robust | Inhalte müssen von unterschiedlichen Programmen und assistiven Technologien zuverlässig interpretiert werden können. | Ein Bedienelement besitzt technisch einen passenden Namen, eine Rolle und einen erkennbaren Zustand. |
  
-Die Konformitätsstufen A, AA und AAA bauen aufeinander auf: AA umfasst die anwendbaren Anforderungen von A und AA; AAA zusätzlich diejenigen von AAA. Die Stufen sind keine Prozentwerte. Für eine Konformitätsaussage sind außerdem die weiteren Konformitätsbedingungen zu beachten, etwa die Betrachtung vollständiger Seiten und vollständiger Prozesse.((W3C: [[https://www.w3.org/TR/WCAG22/#conformance|WCAG 2.2: Conformance]].))+Die Konformitätsstufen A, AA und AAA bauen aufeinander auf: AA umfasst die anwendbaren Anforderungen von A und AA; AAA zusätzlich diejenigen von AAA. Die Stufen sind keine Prozentwerte. Für eine Konformitätsaussage sind außerdem die weiteren Konformitätsbedingungen zu beachten, etwa die Betrachtung vollständiger Seiten und vollständiger Prozesse.((W3C: [[https://www.w3.org/TR/WCAG22/#conformance|WCAG 2.2: Conformance (englisch)]].))
  
 Für die gestalterische Arbeit im Studium bietet WCAG 2.2 eine geeignete Grundlage. Welche Version und welcher Umfang rechtlich oder vertraglich maßgeblich sind, muss für den Einsatzfall gesondert festgelegt werden. Für die gestalterische Arbeit im Studium bietet WCAG 2.2 eine geeignete Grundlage. Welche Version und welcher Umfang rechtlich oder vertraglich maßgeblich sind, muss für den Einsatzfall gesondert festgelegt werden.
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 Dazu gehört eine bewusste Auswahl der [[extras:wissikon:research-methods:stakeholder|Stakeholder]] und Untersuchungsteilnehmenden. Werden ausschließlich technisch erfahrene Personen aus dem eigenen Umfeld befragt, bleiben andere Anforderungen möglicherweise unentdeckt. Dazu gehört eine bewusste Auswahl der [[extras:wissikon:research-methods:stakeholder|Stakeholder]] und Untersuchungsteilnehmenden. Werden ausschließlich technisch erfahrene Personen aus dem eigenen Umfeld befragt, bleiben andere Anforderungen möglicherweise unentdeckt.
  
-[[extras:wissikon:research-methods:interview|Interviews]] und Beobachtungen können aufzeigen, welche Hilfsmittel Menschen verwenden, welche Umwege sie in Kauf nehmen und welche Funktionen für ihre Selbstständigkeit entscheidend sind. Vorab sollte geklärt werden, welche Bedingungen eine Teilnahme ermöglichen: beispielsweise ein zugänglicher Ort, verständliche Unterlagen, ein geeignetes Kommunikationsformat oder ausreichend Zeit. Die Beteiligung sollte über mehrere Projektphasen erfolgen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/planning/involving-users/|Involving Users in Web Projects for Better, Easier Accessibility]].))+[[extras:wissikon:research-methods:interview|Interviews]] und Beobachtungen können aufzeigen, welche Hilfsmittel Menschen verwenden, welche Umwege sie in Kauf nehmen und welche Funktionen für ihre Selbstständigkeit entscheidend sind. Vorab sollte geklärt werden, welche Bedingungen eine Teilnahme ermöglichen: beispielsweise ein zugänglicher Ort, verständliche Unterlagen, ein geeignetes Kommunikationsformat oder ausreichend Zeit. Die Beteiligung sollte über mehrere Projektphasen erfolgen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/planning/involving-users/|Involving Users in Web Projects for Better, Easier Accessibility (englisch)]].))
  
 ==== Persona, Szenario und User Journey ==== ==== Persona, Szenario und User Journey ====
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 Ein zugängliches [[extras:wissikon:media-design:user-interface-design|User Interface]] unterstützt Orientierung und unterscheidbare Zustände. Informationen sollten so gestaltet werden, dass sie auch bei Vergrößerung oder veränderter Darstellung verständlich bleiben. Ein zugängliches [[extras:wissikon:media-design:user-interface-design|User Interface]] unterstützt Orientierung und unterscheidbare Zustände. Informationen sollten so gestaltet werden, dass sie auch bei Vergrößerung oder veränderter Darstellung verständlich bleiben.
  
-Für Webinhalte fordert WCAG 2.2 auf Stufe AA bei gewöhnlichem Text grundsätzlich mindestens 4,5:1 Kontrast zum Hintergrund. Für große Schrift genügen 3:1; als groß gelten mindestens 18 Punkt beziehungsweise mindestens 14 Punkt bei fetter Schrift. Das Kriterium enthält Ausnahmen, unter anderem für bestimmte dekorative oder inaktive Inhalte und Logos.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/contrast-minimum.html|Understanding 1.4.3: Contrast (Minimum)]].))+Das Kontrastverhältnis beschreibt den Helligkeitskontrast zwischen zwei Farben, beispielsweise zwischen Text und Hintergrund. Für Webinhalte fordert WCAG 2.2 auf Stufe AA bei gewöhnlichem Text grundsätzlich mindestens 4,5:1 Kontrast zum Hintergrund. Für große Schrift genügen 3:1; als groß gelten mindestens 18 Punkt beziehungsweise mindestens 14 Punkt bei fetter Schrift. Das Kriterium enthält Ausnahmen, unter anderem für bestimmte dekorative oder inaktive Inhalte und Logos.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/contrast-minimum.html|Understanding 1.4.3: Contrast (Minimum) (englisch)]].))
  
-Für visuelle Informationen, die zum Erkennen bestimmter Bedienelemente, Zustände oder inhaltlich notwendiger Grafikteile erforderlich sind, gilt unter den Bedingungen von WCAG 1.4.11 grundsätzlich ein Kontrast von mindestens 3:1 zu angrenzenden Farben. Der Wert bezieht sich nicht pauschal auf jede Fläche oder jedes dekorative Element.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/non-text-contrast.html|Understanding 1.4.11: Non-text Contrast]].))+Für visuelle Informationen, die zum Erkennen bestimmter Bedienelemente, Zustände oder inhaltlich notwendiger Grafikteile erforderlich sind, gilt unter den Bedingungen von WCAG 1.4.11 grundsätzlich ein Kontrast von mindestens 3:1 zu angrenzenden Farben. Der Wert bezieht sich nicht pauschal auf jede Fläche oder jedes dekorative Element.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/non-text-contrast.html|Understanding 1.4.11: Non-text Contrast (englisch)]].))
  
 Für die praktische Gestaltung empfiehlt sich: Für die praktische Gestaltung empfiehlt sich:
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   * Zustände wie ausgewählt, fehlerhaft oder fokussiert eindeutig unterscheiden.   * Zustände wie ausgewählt, fehlerhaft oder fokussiert eindeutig unterscheiden.
  
-Typografie und [[extras:wissikon:typography_and_layout:layout|Layout]] sollten im tatsächlichen Nutzungskontext geprüft werden. Ein rechnerischer Kontrastwert beschreibt beispielsweise nicht sämtliche Auswirkungen von Spiegelungen und Lichtverhältnissen an einem Ausstellungsdisplay.+Typografie und Layout sollten im tatsächlichen Nutzungskontext geprüft werden. Ein rechnerischer Kontrastwert beschreibt beispielsweise nicht sämtliche Auswirkungen von Spiegelungen und Lichtverhältnissen an einem Ausstellungsdisplay.
  
 ==== Bedienung, Fokus und Navigation ==== ==== Bedienung, Fokus und Navigation ====
  
-Im [[extras:wissikon:media-design:interaction-design|Interaction Design]] wird festgelegt, wie Menschen Funktionen erreichen, auslösen und Rückmeldungen erhalten. Für Webanwendungen ist die Bedienung über eine Tastaturschnittstelle eine zentrale WCAG-Anforderung; das entsprechende Kriterium enthält eine begrenzte Ausnahme für Funktionen, deren zugrunde liegende Eingabe wesentlich vom Bewegungspfad abhängt.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/keyboard.html|Understanding 2.1.1: Keyboard]].))+Im [[extras:wissikon:media-design:interaction-design|Interaction Design]] wird festgelegt, wie Menschen Funktionen erreichen, auslösen und Rückmeldungen erhalten. Für Webanwendungen ist die Bedienung über eine Tastaturschnittstelle eine zentrale WCAG-Anforderung; das entsprechende Kriterium enthält eine begrenzte Ausnahme für Funktionen, deren zugrunde liegende Eingabe wesentlich vom Bewegungspfad abhängt.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/keyboard.html|Understanding 2.1.1: Keyboard (englisch)]].))
  
-Praktisch bedeutet dies beispielsweise, Navigation, Formulare und Dialoge ohne Maus zu erproben. Der Tastaturfokus muss erkennbar sein und einer nachvollziehbaren Reihenfolge folgen. Beim Öffnen und Schließen eines Dialogs ist zu prüfen, wohin der Fokus gelangt.+Praktisch bedeutet dies beispielsweise, Navigation, Formulare und Dialoge ohne Maus zu erproben. Der Tastaturfokus kennzeichnet das Element, an das Tastatureingaben gerade gerichtet werden. Beim Wechsel zwischen Bedienelementen sollte beispielsweise ein sichtbarer Rahmen erkennen lassen, welcher Button als Nächstes ausgelöst werden kann. Die Fokusposition muss erkennbar sein und einer nachvollziehbaren Reihenfolge folgen. Beim Öffnen und Schließen eines Dialogs ist zu prüfen, wohin der Fokus gelangt.
  
-Auch die Erreichbarkeit von Eingabezielen ist relevant. WCAG 2.2 verlangt auf Stufe AA für Zeigereingaben grundsätzlich mindestens 24 mal 24 CSS-Pixel große Ziele oder die Erfüllung einer der vorgesehenen Ausnahmen, etwa ausreichender Abstände. Diese Bildschirmmaße lassen sich nicht direkt als physische Abmessungen eines Tasters übernehmen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/target-size-minimum.html|Understanding 2.5.8: Target Size (Minimum)]].))+Auch die Erreichbarkeit von Eingabezielen ist relevant. WCAG 2.2 verlangt auf Stufe AA für Zeigereingaben grundsätzlich mindestens 24 mal 24 CSS-Pixel große Ziele oder die Erfüllung einer der vorgesehenen Ausnahmen, etwa ausreichender Abstände. CSS-Pixel sind logische Maßeinheiten eines Weblayouts und nicht mit den einzelnen physischen Bildpunkten eines Displays gleichzusetzen. Diese Bildschirmmaße lassen sich deshalb nicht direkt als physische Abmessungen eines Tasters übernehmen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/target-size-minimum.html|Understanding 2.5.8: Target Size (Minimum) (englisch)]].))
  
 Weiterführende Entwurfsfragen betreffen alternative Eingaben, gut erreichbare Hauptfunktionen und eine Bedienung, die unnötigen Zeitdruck vermeidet. Weiterführende Entwurfsfragen betreffen alternative Eingaben, gut erreichbare Hauptfunktionen und eine Bedienung, die unnötigen Zeitdruck vermeidet.
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 ==== Formulare, Fehlermeldungen und technische Struktur ==== ==== Formulare, Fehlermeldungen und technische Struktur ====
  
-Ein Formular benötigt verständliche Beschriftungen und Hinweise. Platzhalter allein sind als Feldbeschriftung ungeeignet, weil sie unter anderem während der Eingabe verschwinden können. Pflichtangaben, erwartete Formate und Fehlermeldungen sollten nachvollziehbar sein. Nach einem Fehler muss erkennbar werden, was korrigiert werden kann.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/forms/|Forms Tutorial]].))+Ein Formular benötigt verständliche Beschriftungen und Hinweise. Platzhalter allein sind als Feldbeschriftung ungeeignet, weil sie unter anderem während der Eingabe verschwinden können. Pflichtangaben, erwartete Formate und Fehlermeldungen sollten nachvollziehbar sein. Nach einem Fehler muss erkennbar werden, was korrigiert werden kann.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/forms/|Forms Tutorial (englisch)]].))
  
-Die technische Struktur ist ebenso wichtig wie die sichtbare Darstellung. Überschriften, Listen und Seitenbereiche sollten semantisch passend ausgezeichnet werden. Ein größer und fett dargestellter Absatz ist technisch noch keine Überschrift.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/page-structure/|Page Structure Tutorial]].))+Die technische Struktur ist ebenso wichtig wie die sichtbare Darstellung. Semantische Auszeichnung bedeutet, einem Inhalt auch im Code seine Bedeutung zuzuordnen, beispielsweise als Überschrift, Liste oder Navigation. Überschriften, Listen und Seitenbereiche sollten entsprechend ausgezeichnet werden. Ein größer und fett dargestellter Absatz ist technisch noch keine Überschrift.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/page-structure/|Page Structure Tutorial (englisch)]].))
  
-Bei der Umsetzung sollten geeignete native Bedienelemente bevorzugt und ihre Eigenschaften erhalten werden. ARIA kann fehlende semantische Informationen ergänzen, stellt aber weder eine Tastaturbedienung noch das gewünschte Verhalten automatisch her. Individuell entwickelte Komponenten erfordern deshalb eine sorgfältige Umsetzung und Prüfung.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/ARIA/apg/practices/read-me-first/|ARIA Authoring Practices: Read Me First]].))+Bei der Umsetzung sollten geeignete native Bedienelemente bevorzugt und ihre Eigenschaften erhalten werden. Mit ARIA lassen sich zusätzliche maschinenlesbare Angaben zu Rollen, Zuständen und Eigenschaften von Bedienelementen bereitstellen. ARIA kann damit fehlende semantische Informationen ergänzen, stellt aber weder eine Tastaturbedienung noch das gewünschte Verhalten automatisch her. Individuell entwickelte Komponenten erfordern deshalb eine sorgfältige Umsetzung und Prüfung.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/ARIA/apg/practices/read-me-first/|ARIA Authoring Practices: Read Me First (englisch)]].))
  
 Bereits im [[extras:wissikon:media-design:wireframing|Wireframe]] lassen sich Reihenfolge, Beschriftung und Zustände planen. Ein visueller Prototyp allein belegt jedoch nicht, dass die spätere Anwendung mit assistiven Technologien funktioniert. Bereits im [[extras:wissikon:media-design:wireframing|Wireframe]] lassen sich Reihenfolge, Beschriftung und Zustände planen. Ein visueller Prototyp allein belegt jedoch nicht, dass die spätere Anwendung mit assistiven Technologien funktioniert.
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 ==== Sprache, Bilder und Dokumente ==== ==== Sprache, Bilder und Dokumente ====
  
-Verständliche Inhalte erklären notwendige Fachbegriffe, benennen Handlungen eindeutig und gliedern komplexe Aufgaben in nachvollziehbare Schritte. Zusätzliche Hilfen können unterschiedliche Vorkenntnisse berücksichtigen. Für kognitive Zugänglichkeit bietet das W3C ergänzende Gestaltungshinweise, die über einzelne WCAG-Anforderungen hinausgehen.((W3C: [[https://www.w3.org/TR/coga-usable/|Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities]].))+Verständliche Inhalte erklären notwendige Fachbegriffe, benennen Handlungen eindeutig und gliedern komplexe Aufgaben in nachvollziehbare Schritte. Zusätzliche Hilfen können unterschiedliche Vorkenntnisse berücksichtigen. Für kognitive Zugänglichkeit bietet das W3C ergänzende Gestaltungshinweise, die über einzelne WCAG-Anforderungen hinausgehen.((W3C: [[https://www.w3.org/TR/coga-usable/|Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities (englisch)]].))
  
 Bei Bildern richtet sich die Textalternative nach der Funktion im jeweiligen Zusammenhang: Bei Bildern richtet sich die Textalternative nach der Funktion im jeweiligen Zusammenhang:
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   * Rein dekorative Bilder sollten für assistive Technologien entsprechend gekennzeichnet werden, statt eine unnötige Beschreibung zu erhalten.   * Rein dekorative Bilder sollten für assistive Technologien entsprechend gekennzeichnet werden, statt eine unnötige Beschreibung zu erhalten.
  
-Der Dateiname oder eine beliebige automatische Bildbeschreibung ist dafür keine verlässliche Grundlage. Entscheidend ist, welche Information das Bild an dieser Stelle vermittelt.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/images/|Images Tutorial]].))+Der Dateiname oder eine beliebige automatische Bildbeschreibung ist dafür keine verlässliche Grundlage. Entscheidend ist, welche Information das Bild an dieser Stelle vermittelt.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/images/|Images Tutorial (englisch)]].))
  
 Bei PDFs und Präsentationen gehören unter anderem Dokumentstruktur, Lesereihenfolge, zugängliche Texte und Alternativtexte in die Prüfung. Ein Export oder ein bestandener automatischer Prüflauf belegt die tatsächliche Zugänglichkeit allein noch nicht. Bei PDFs und Präsentationen gehören unter anderem Dokumentstruktur, Lesereihenfolge, zugängliche Texte und Alternativtexte in die Prüfung. Ein Export oder ein bestandener automatischer Prüflauf belegt die tatsächliche Zugänglichkeit allein noch nicht.
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 ==== Audio, Video und Animation ==== ==== Audio, Video und Animation ====
  
-Bei audiovisuellen Medien sollten die erforderlichen Zugänge bereits in Drehbuch, Aufnahme und Schnitt berücksichtigt werden. Untertitel vermitteln Sprache und relevante Geräusche zeitlich passend zum Bild. Transkripte stellen gesprochene beziehungsweise auditive Inhalte als Text bereit. Audiodeskription erschließt relevante visuelle Informationen, die aus der vorhandenen Tonspur nicht hervorgehen. Welche Formen erforderlich sind, hängt unter anderem von Medium und Anforderungsniveau ab.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/media/av/|Making Audio and Video Media Accessible]].))+Bei audiovisuellen Medien sollten die erforderlichen Zugänge bereits in Drehbuch, Aufnahme und Schnitt berücksichtigt werden. Untertitel vermitteln Sprache und relevante Geräusche zeitlich passend zum Bild. Transkripte stellen gesprochene beziehungsweise auditive Inhalte als Text bereit. Audiodeskription erschließt relevante visuelle Informationen, die aus der vorhandenen Tonspur nicht hervorgehen. Welche Formen erforderlich sind, hängt unter anderem von Medium und Anforderungsniveau ab.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/media/av/|Making Audio and Video Media Accessible (englisch)]].))
  
-Automatisch erzeugte Untertitel können die Bearbeitung unterstützen. Sie müssen auf Inhalt, Zuordnung und zeitliche Passung geprüft und korrigiert werden. Gerade Namen, Fachbegriffe und bedeutungstragende Geräusche benötigen Aufmerksamkeit.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/media/av/captions/|Captions/Subtitles]].))+Automatisch erzeugte Untertitel können die Bearbeitung unterstützen. Sie müssen auf Inhalt, Zuordnung und zeitliche Passung geprüft und korrigiert werden. Gerade Namen, Fachbegriffe und bedeutungstragende Geräusche benötigen Aufmerksamkeit.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/media/av/captions/|Captions/Subtitles (englisch)]].))
  
-Animationen sollten einen nachvollziehbaren Zweck besitzen. Für nicht wesentliche, durch Interaktion ausgelöste Bewegungsanimationen beschreibt WCAG 2.3.3 auf Stufe AAA die Möglichkeit, sie abzuschalten. Für den Entwurf empfiehlt sich, Einstellungen zur Bewegungsreduktion mitzudenken und intensive Bewegung zu vermeiden, wenn sie keinen notwendigen Beitrag leistet.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/animation-from-interactions.html|Understanding 2.3.3: Animation from Interactions]].))+Animationen sollten einen nachvollziehbaren Zweck besitzen. Für nicht wesentliche, durch Interaktion ausgelöste Bewegungsanimationen beschreibt WCAG 2.3.3 auf Stufe AAA die Möglichkeit, sie abzuschalten. Für den Entwurf empfiehlt sich, Einstellungen zur Bewegungsreduktion mitzudenken und intensive Bewegung zu vermeiden, wenn sie keinen notwendigen Beitrag leistet.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/Understanding/animation-from-interactions.html|Understanding 2.3.3: Animation from Interactions (englisch)]].))
  
 ==== Interaktive Objekte, Physical Computing und Ausstellungen ==== ==== Interaktive Objekte, Physical Computing und Ausstellungen ====
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 Bei immersiven Anwendungen entstehen zusätzliche Fragen: Ist eine Nutzung im Sitzen möglich? Welche Bewegungen und Controller werden vorausgesetzt? Lassen sich Geschwindigkeit, Eingabe und Darstellung anpassen? Wie werden räumliche Informationen, Warnungen und Untertitel vermittelt? Bei immersiven Anwendungen entstehen zusätzliche Fragen: Ist eine Nutzung im Sitzen möglich? Welche Bewegungen und Controller werden vorausgesetzt? Lassen sich Geschwindigkeit, Eingabe und Darstellung anpassen? Wie werden räumliche Informationen, Warnungen und Untertitel vermittelt?
  
-Die //XR Accessibility User Requirements// des W3C sammeln entsprechende Nutzungsbedürfnisse und mögliche Anforderungen. Sie sind eine ergänzende fachliche Orientierung und kein verbindlicher Mindeststandard oder Konformitätstest.((W3C: [[https://www.w3.org/TR/xaur/|XR Accessibility User Requirements]].))+Die //XR Accessibility User Requirements// des W3C sammeln entsprechende Nutzungsbedürfnisse und mögliche Anforderungen. Sie sind eine ergänzende fachliche Orientierung und kein verbindlicher Mindeststandard oder Konformitätstest.((W3C: [[https://www.w3.org/TR/xaur/|XR Accessibility User Requirements (englisch)]].))
  
 Bei KI-gestützten Projekten sollte untersucht werden, welche Eingaben das System voraussetzt und wie mit nicht erkannten Eingaben umgegangen wird. Eine sprachbasierte Anwendung kann beispielsweise eine zusätzliche Texteingabe vorsehen. Automatisch erzeugte Texte, Beschreibungen oder Untertitel sollten in Bezug auf ihren konkreten Zweck geprüft werden. Die technische Erzeugung einer Alternative ist erst ein Schritt zu ihrer tatsächlichen Nutzbarkeit. Bei KI-gestützten Projekten sollte untersucht werden, welche Eingaben das System voraussetzt und wie mit nicht erkannten Eingaben umgegangen wird. Eine sprachbasierte Anwendung kann beispielsweise eine zusätzliche Texteingabe vorsehen. Automatisch erzeugte Texte, Beschreibungen oder Untertitel sollten in Bezug auf ihren konkreten Zweck geprüft werden. Die technische Erzeugung einer Alternative ist erst ein Schritt zu ihrer tatsächlichen Nutzbarkeit.
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 Die EN 17161 beschreibt einen Prozessansatz für die systematische Berücksichtigung von Barrierefreiheit bei Produkten und Dienstleistungen. Für die Studienpraxis lässt sich daran die Aufgabe anschließen, Zugänglichkeit über den gesamten Entwicklungsprozess mitzudenken.((Bundesfachstelle Barrierefreiheit: [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/Normen-und-Standards/normen-und-standards_node|Normen und Standards, insbesondere EN 17161]].)) Die EN 17161 beschreibt einen Prozessansatz für die systematische Berücksichtigung von Barrierefreiheit bei Produkten und Dienstleistungen. Für die Studienpraxis lässt sich daran die Aufgabe anschließen, Zugänglichkeit über den gesamten Entwicklungsprozess mitzudenken.((Bundesfachstelle Barrierefreiheit: [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/Normen-und-Standards/normen-und-standards_node|Normen und Standards, insbesondere EN 17161]].))
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 +Die verlinkte Seite bietet hierzu einen frei zugänglichen Überblick. Sie stellt nicht den vollständigen Normtext bereit. Für die Arbeit mit dieser Einführung genügt zunächst der erläuterte Prozessgedanke; eine normbezogene Nachweisführung benötigt die jeweils einschlägigen Originaldokumente.
  
 ==== Anschluss an den Entwurfsprozess ==== ==== Anschluss an den Entwurfsprozess ====
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 Inklusive Projektarbeit berücksichtigt auch die Bedingungen der Zusammenarbeit. Ein ausschließlich visuelles Whiteboard, eine schlecht zugängliche Datei oder ein Gespräch ohne nachvollziehbare Moderation kann Beteiligung erschweren. Inklusive Projektarbeit berücksichtigt auch die Bedingungen der Zusammenarbeit. Ein ausschließlich visuelles Whiteboard, eine schlecht zugängliche Datei oder ein Gespräch ohne nachvollziehbare Moderation kann Beteiligung erschweren.
  
-Für Workshops und Präsentationen empfiehlt sich, Unterstützungsbedarfe vorab zu erfragen, Materialien rechtzeitig zugänglich bereitzustellen und wichtige visuelle Informationen auch sprachlich zu erläutern. Dazu gehören geeignete Kommunikationswerkzeuge, verständliche Aufgabenstellungen und ausreichend Zeit.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/teach-advocate/accessible-presentations/|Making Events Accessible]].))+Für Workshops und Präsentationen empfiehlt sich, Unterstützungsbedarfe vorab zu erfragen, Materialien rechtzeitig zugänglich bereitzustellen und wichtige visuelle Informationen auch sprachlich zu erläutern. Dazu gehören geeignete Kommunikationswerkzeuge, verständliche Aufgabenstellungen und ausreichend Zeit.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/teach-advocate/accessible-presentations/|Making Events Accessible (englisch)]].))
  
 Im Team sollten alternative Formen der Rückmeldung möglich sein, etwa mündlich, schriftlich oder zeitlich versetzt. Entscheidungen und nächste Schritte werden so dokumentiert, dass sie auch nach einer Besprechung nachvollziehbar bleiben. Im Team sollten alternative Formen der Rückmeldung möglich sein, etwa mündlich, schriftlich oder zeitlich versetzt. Entscheidungen und nächste Schritte werden so dokumentiert, dass sie auch nach einer Besprechung nachvollziehbar bleiben.
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 ===== 7. Prüfen und verbessern ===== ===== 7. Prüfen und verbessern =====
  
-Barrierefreiheit wird durch mehrere sich ergänzende Prüfungen untersucht. Automatisierte Werkzeuge können bestimmte Fehler erkennen. Andere Fragen erfordern menschliche Beurteilung oder eine praktische Erprobung. Kein einzelnes Werkzeug kann die vollständige Zugänglichkeit eines Angebots feststellen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/test-evaluate/|Evaluating Web Accessibility Overview]].))+Barrierefreiheit wird durch mehrere sich ergänzende Prüfungen untersucht. Automatisierte Werkzeuge können bestimmte Fehler erkennen. Andere Fragen erfordern menschliche Beurteilung oder eine praktische Erprobung. Kein einzelnes Werkzeug kann die vollständige Zugänglichkeit eines Angebots feststellen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/test-evaluate/|Evaluating Web Accessibility Overview (englisch)]].))
  
 ^ Prüfweg ^ Möglicher Beitrag ^ Grenze ^ ^ Prüfweg ^ Möglicher Beitrag ^ Grenze ^
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 | Tests mit Nutzer*innen | Tatsächliche Schwierigkeiten, Strategien und Anforderungen sichtbar machen | Einzelne Personen repräsentieren nicht alle Menschen oder sämtliche Anforderungen. | | Tests mit Nutzer*innen | Tatsächliche Schwierigkeiten, Strategien und Anforderungen sichtbar machen | Einzelne Personen repräsentieren nicht alle Menschen oder sämtliche Anforderungen. |
  
-Nutzungstests und Konformitätsprüfungen beantworten unterschiedliche, miteinander verbundene Fragen. Ein erfolgreicher Test mit einer Person belegt keine vollständige Konformität. Umgekehrt kann die Prüfung technischer Kriterien zusätzliche Anforderungen aus der Nutzungspraxis offenlassen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/test-evaluate/involving-users/|Involving Users in Evaluating Web Accessibility]].))+Nutzungstests und Konformitätsprüfungen beantworten unterschiedliche, miteinander verbundene Fragen. Ein erfolgreicher Test mit einer Person belegt keine vollständige Konformität. Umgekehrt kann die Prüfung technischer Kriterien zusätzliche Anforderungen aus der Nutzungspraxis offenlassen.((W3C WAI: [[https://www.w3.org/WAI/test-evaluate/involving-users/|Involving Users in Evaluating Web Accessibility (englisch)]].))
  
 ==== Erste praktische Prüfungen im Studium ==== ==== Erste praktische Prüfungen im Studium ====
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 Die zentrale Reflexionsfrage lautet: **Welche Menschen können an diesem Angebot selbstständig teilnehmen, welche Voraussetzungen verlangt es und welche Barrieren bestehen weiterhin?** Die Antwort sollte aus Recherche, Entwurfsentscheidungen und Prüfungen hervorgehen. Die zentrale Reflexionsfrage lautet: **Welche Menschen können an diesem Angebot selbstständig teilnehmen, welche Voraussetzungen verlangt es und welche Barrieren bestehen weiterhin?** Die Antwort sollte aus Recherche, Entwurfsentscheidungen und Prüfungen hervorgehen.
  
-===== Weiterführende Quellen =====+===== Quellen und Lesewege ===== 
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 +==== Einstieg ohne technische Vorkenntnisse ==== 
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 +  * [[https://www.w3.org/WAI/fundamentals/accessibility-intro/de|Einführung in das barrierefreie Web]]: Deutsche Übersetzung einer W3C-WAI-Einführung mit Grundbegriffen und Beispielen. Besonders geeignet, um den Zusammenhang zwischen Gestaltung, Technik und Nutzung zu verstehen. Die englische Originalfassung ist in den Fußnoten verlinkt. 
 +  * [[https://barrierefreiheit.dh.nrw/materialien|Materialien des Kompetenzzentrums digitale Barrierefreiheit.nrw]]: Deutschsprachige Anleitungen für den Hochschulkontext. Für den Anfang eignen sich die Bereiche Alternativtexte, barrierefreie Dokumente und barrierefreie Videos. Je nach Projekt genügt zunächst ein passender Themenbereich. 
 +  * [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/FAQ/faq_node.html|FAQ zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz]]: Deutschsprachige Erläuterungen zum rechtlichen Rahmen. Für die erste Einordnung sind besonders die Fragen 3, 5, 6, 11 und 19 zu Unterschieden zwischen Rechtsgrundlagen, Anwendungsbereich, Ausnahmen und Websites hilfreich. Die Erläuterungen unterstützen die Orientierung; für die genaue rechtliche Prüfung bleiben die Gesetzestexte maßgeblich. 
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 +==== Hilfen für konkrete Gestaltungsaufgaben ==== 
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 +  * [[https://www.w3.org/WAI/tips/designing/|Designing for Web Accessibility (englisch)]]: Englischer Einstieg mit Beispielen für Kontraste, erkennbare Bedienelemente, Navigation und Rückmeldungen. Zunächst lassen sich die Beispiele mit einem eigenen Interface vergleichen; Programmierung ist dafür nicht erforderlich. 
 +  * [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/images/|Images Tutorial (englisch)]]: Englische Anleitung zur Auswahl geeigneter Textalternativen. Eine praktische Aufgabe besteht darin, je ein informatives, dekoratives und funktionales Bild im eigenen Projekt einzuordnen und die passende Behandlung zu begründen. 
 +  * [[https://www.w3.org/WAI/tutorials/forms/|Forms Tutorial (englisch)]]: Englische Anleitung für Formulare. Die Grundfragen zu Beschriftung und Fehlern sind gestalterisch verständlich; für die Codebeispiele sind HTML-Grundkenntnisse hilfreich. 
 +  * [[https://www.w3.org/WAI/media/av/|Making Audio and Video Media Accessible (englisch)]]: Englischer Leitfaden für Medienprojekte. Zuerst sollte geklärt werden, welche Informationen über Bild beziehungsweise Ton vermittelt werden. Danach lassen sich die passenden Abschnitte zu Untertiteln, Transkripten oder Audiodeskription auswählen. 
 +  * [[https://www.w3.org/WAI/cognitive/|Cognitive Accessibility at W3C (englisch)]]: Englischer Überblick zur kognitiven Zugänglichkeit mit Verweisen auf konkrete Gestaltungsmuster. Er eignet sich als erster Zugang vor dem ausführlichen Fachtext. 
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 +==== Fachliche Vertiefung und Nachweise ==== 
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 +  * [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/quickref/|WCAG 2.2 Quick Reference (englisch)]]: Englisches technisches Nachschlagewerk. Sinnvoll ist die gezielte Suche nach einem Kriterium, das im eigenen Projekt untersucht wird. Die vollständige Liste ist keine Einführung und sollte nicht als unkommentierte Checkliste abgearbeitet werden. 
 +  * [[https://www.w3.org/TR/coga-usable/|Making Content Usable for People with Cognitive and Learning Disabilities (englisch)]]: Umfangreicher englischer Fachtext mit Zielen, Gestaltungsmustern und Beispielen. Als ergänzende fachliche Orientierung behandelt er auch Bedürfnisse, die durch die WCAG allein nicht vollständig abgedeckt werden. 
 +  * [[https://www.w3.org/TR/xaur/|XR Accessibility User Requirements (englisch)]]: Englische fachliche Orientierung für AR- und VR-Projekte. Gezielt nach Anforderungen an Eingaben, Orientierung, Bewegung oder Untertitel lesen. Das Dokument ist eine informative Working Group Note und kein verbindlicher Konformitätsstandard. 
 +  * [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/Normen-und-Standards/normen-und-standards_node|Normen und Standards zum BFSG]]: Deutschsprachiger Überblick zur Funktion technischer Normen. Die Seite erläutert unter anderem EN 301 549 und EN 17161; ein Überblick ist vom jeweiligen Normvolltext zu unterscheiden. 
 +  * Die im Artikel verlinkten Gesetzestexte dienen als Primärquellen. Für eine konkrete Frage sollten zuerst die jeweils genannten Paragrafen und der Anwendungsbereich gelesen werden. Der vollständige Gesetzestext ist keine vorausgesetzte Einstiegslektüre.
  
-  * [[https://www.w3.org/WAI/|W3C Web Accessibility Initiative]]: Grundlagen, Anleitungen und Informationen zu Standards. +//Rechtliche Einordnung und direkte Linkziele geprüft am 6. November 2026. Für den konkreten Projekteinsatz sind der Anwendungsbereich, die geltenden Fassungen und die maßgeblichen technischen Referenzen erneut anhand der Primärquellen abzugleichen.//
-  * [[https://www.w3.org/WAI/WCAG22/quickref/|WCAG 2.2 Quick Reference]]: Nachschlagewerk zu Erfolgskriterien und Umsetzungsmöglichkeiten. +
-  * [[https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/|Bundesfachstelle Barrierefreiheit]]: Informationen zu Rechtsgrundlagen, Normen und praktischer Umsetzung. +
-  * [[https://barrierefreiheit.dh.nrw/|Kompetenzzentrum digitale Barrierefreiheit.nrw]]: Unterstützung und Materialien für Hochschulen in Nordrhein-Westfalen.+
  
-//Stand der rechtlichen Einordnung: 6. November 2026. Für den konkreten Projekteinsatz sind der Anwendungsbereich, die geltenden Fassungen und die maßgeblichen technischen Referenzen erneut anhand der Primärquellen abzugleichen.// 
  
/var/www/vhosts/ct-lab.info/wiki.ct-lab.info/data/pages/extras/wissikon/media-design/barrierefreiheit_und_inklusive_gestaltung.txt · Last modified: by Felix Hardmood Beck