Table of Contents
Das Projektnarrativ: Zusammenhang und Richtung eines Entwurfs
Ein Projektnarrativ beschreibt den gedanklichen Zusammenhang eines Projekts. Es verbindet die Ausgangssituation mit einer Fragestellung, einer gestalterischen Haltung und der angestrebten Veränderung. Dadurch wird verständlich, warum ein Projekt relevant ist, für wen es entwickelt wird und welche Idee seine Entscheidungen zusammenhält.
Im Entwurfsprozess dient das Projektnarrativ als Orientierung. Es hilft, einzelne Elemente als Teile eines gemeinsamen Konzepts zu entwickeln. In der Kommunikation macht es das Vorhaben für andere nachvollziehbar – beispielsweise innerhalb eines Teams, in einer Präsentation oder gegenüber Kooperationspartnern.
Von der Ausgangssituation zur Projektidee
Am Anfang steht eine relevante Beobachtung, eine offene Frage oder ein erkanntes Bedürfnis. Daraus wird abgeleitet, welche Situation untersucht oder verändert werden soll. Das Narrativ erklärt anschließend, mit welcher gestalterischen Idee das Projekt darauf antwortet und welches Erlebnis oder welche Wirkung angestrebt wird.
Ein überzeugendes Projektnarrativ verbindet diese Aspekte zu einem nachvollziehbaren Zusammenhang. Die Aussage „Wir entwickeln eine interaktive Klanginstallation“ benennt zunächst nur eine Projektart. Erst durch die Erläuterung von Anlass, Zielgruppe und beabsichtigter Erfahrung wird verständlich, weshalb diese Installation entstehen soll.
Dabei müssen belegte Erkenntnisse, Interpretationen und Zukunftsvorstellungen unterscheidbar bleiben. Eine erwünschte Wirkung ist zunächst ein Ziel. Ob sie tatsächlich erreicht wird, muss im weiteren Projektverlauf untersucht werden.
Ein Beispiel: Gemeinsam einen Klang gestalten
Ein Studienprojekt könnte von der Frage ausgehen, wie eine Installation gemeinsames Handeln anregen kann. Die gestalterische Antwort besteht aus mehreren Klangobjekten, deren Zusammenspiel erst durch die Beteiligung mehrerer Personen hörbar wird.
Ein mögliches Projektnarrativ lautet: „Die Installation macht gemeinsames Gestalten als Klangerlebnis erfahrbar. Einzelne Eingriffe erzeugen jeweils nur einen Teil der Komposition. Erst wenn mehrere Menschen gleichzeitig aktiv werden und aufeinander reagieren, entsteht ein vielschichtiges Klangbild. Das Projekt untersucht, wie unmittelbare akustische Rückmeldung zur Abstimmung zwischen den Beteiligten beitragen kann.“
Aus diesem Zusammenhang ergeben sich konkrete Entwurfsfragen. Die einzelnen Stationen müssen eigenständig verständlich sein und zugleich ihren Bezug zueinander erkennen lassen. Die Klänge sollen unterscheidbar bleiben, aber zusammenwirken können. Ob die Installation tatsächlich gemeinsames Handeln anregt, lässt sich anschließend mit einem Prototyp untersuchen.
Projektnarrativ, Storytelling und Prozessdokumentation
Das Projektnarrativ formuliert den übergeordneten Sinnzusammenhang. Storytelling kann diesen Zusammenhang durch eine konkrete Situation anschaulich machen: Eine Person entdeckt die Installation, beginnt zu spielen und bemerkt, dass sich der Klang durch die Beteiligung anderer verändert.
Die Prozessdokumentation hält dagegen fest, wie das Projekt tatsächlich entwickelt wurde. Sie zeigt Recherche, Varianten, Tests und Entscheidungen einschließlich verworfener Ansätze. Das Projektnarrativ muss diese Entwicklung nicht chronologisch nacherzählen. Es verdichtet die zentrale Idee und ihre Begründung.
Auch ein Leitmotiv kann damit verbunden sein. Während das Narrativ erklärt, worum es im Projekt geht und warum, kann ein Leitmotiv diesen Zusammenhang in einer prägnanten gestalterischen Idee bündeln. Ein Projekttitel wiederum benennt das Vorhaben möglichst einprägsam, kann die inhaltliche Erklärung aber selten allein übernehmen.
Ein Projektnarrativ entwickeln und überprüfen
Für eine erste Fassung genügt häufig ein kurzer Absatz. Er sollte erkennen lassen, von welcher Situation das Projekt ausgeht, welche Frage daraus entsteht und mit welcher Idee darauf reagiert wird. Hinzu kommt die angestrebte Erfahrung oder Veränderung. Fachbegriffe sind nur dann hilfreich, wenn sie den Zusammenhang präziser machen.
Beim Schreiben zeigt sich oft, wo das Konzept noch unklar ist. Wenn sich nicht erklären lässt, warum eine bestimmte Technologie eingesetzt wird oder weshalb ein Objekt eine bestimmte Form erhält, sollte diese Entscheidung überprüft werden. Das Narrativ kann damit als Prüfwerkzeug dienen: Unterstützt eine Ergänzung die zentrale Idee? Welche Bedeutung hätte es, sie wegzulassen?
Im Verlauf des Projekts wird das Narrativ weiterentwickelt. Neue Erkenntnisse können die Fragestellung verändern oder eine andere Lösung nahelegen. Diese Anpassung gehört zum Entwurfsprozess. Das Narrativ sollte den aktuellen Erkenntnisstand wiedergeben und keine frühe Annahme gegen widersprechende Beobachtungen absichern.
Klarheit und Glaubwürdigkeit
Ein tragfähiges Projektnarrativ ist konkret und angemessen in seinen Aussagen. Formulierungen wie „Das Projekt revolutioniert Kommunikation“ versprechen mehr, als sich durch einen studentischen Prototyp meist zeigen lässt. Präziser ist die Beschreibung, welche Form von Kommunikation untersucht wird und was der Entwurf dazu beitragen könnte.
Ebenso sollten gestalterische Entscheidungen nicht erst nachträglich mit einer beliebigen Geschichte versehen werden. Die Qualität des Narrativs zeigt sich darin, ob Ausgangsfrage, Konzept und Umsetzung nachvollziehbar zusammenpassen. Es schafft eine gemeinsame Richtung und bleibt zugleich offen für Erkenntnisse, die im Entwerfen und Testen entstehen.