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Ich würde den Eintrag so überarbeiten, dass Drachten als direktes Beispiel für van Doesburg und das Rietveld-Schröder-Haus als konsequente architektonische Umsetzung von De Stijl klar getrennt werden.
Theo van Doesburg
Theo van Doesburg (1883–1931) war ein niederländischer Künstler, Gestalter, Typograf und Kunsttheoretiker und einer der zentralen Initiatoren der Künstlerbewegung De Stijl. 1917 gründete er die gleichnamige Zeitschrift De Stijl, über die sich die Ideen der Gruppe international verbreiteten.
Van Doesburg interessierte sich besonders für die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen. Malerei, Grafik, Typografie, Möbel und Architektur sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern gemeinsam eine neue gestalterische Umgebung bilden. Obwohl er selbst keine klassische Architekturausbildung hatte, arbeitete er intensiv mit Architekten zusammen und beschäftigte sich mit der Frage, wie sich die abstrakten Gestaltungsprinzipien von De Stijl auf den dreidimensionalen Raum übertragen lassen.
Von der Fläche zum Raum
Ein wesentlicher Gedanke von De Stijl war, Gestaltung nicht auf Malerei oder Grafik zu beschränken. Horizontale und vertikale Linien, rechteckige Flächen, klare Proportionen sowie die Farben Rot, Gelb und Blau in Kombination mit Weiß, Grau und Schwarz wurden als Bestandteile eines übergreifenden gestalterischen Systems verstanden.
Van Doesburg trug wesentlich dazu bei, diese Prinzipien theoretisch zu formulieren und auf Architektur und Innenraumgestaltung zu übertragen.
Drachten – Farbe als Teil der Architektur
Ein direktes Beispiel für Van Doesburgs Arbeit mit Architektur befindet sich in Drachten in Friesland. Dort arbeitete er 1921 mit dem Gemeindearchitekten Cees Rienks de Boer an einer neuen Wohnsiedlung. Die Architektur selbst wurde von De Boer entworfen, während Van Doesburg Farbkonzepte für Fassaden und Innenräume entwickelte.
Dabei setzte er Rot, Gelb und Blau sowie Weiß, Grau und Schwarz ein, um einzelne architektonische Elemente voneinander abzusetzen und räumlich miteinander in Beziehung zu setzen. Die auffällige Farbgebung brachte der Siedlung den Spitznamen „Papegaaienbuurt“ – Papageienviertel ein.
Mit diesen Arbeiten wurde aus den zweidimensionalen Prinzipien von De Stijl ein räumliches System: Linien, Flächen, Proportionen und Farben wurden zu Bestandteilen der Architektur.
Ein Gebäude der Siedlung, das Van Doesburg-Rinsemahuis, wurde restauriert und kann heute als Museumswohnung besichtigt werden. Dort lässt sich nachvollziehen, wie Van Doesburg abstrakte Kompositionsprinzipien auf Türen, Fenster, Wände und ganze Räume übertrug.
Rietveld-Schröder-Haus – De Stijl als bewohnbarer Raum
Eine noch konsequentere räumliche Umsetzung der Prinzipien von De Stijl findet sich im Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht. Das Haus wurde 1924 von Gerrit Rietveld gemeinsam mit Truus Schröder-Schräder entwickelt und gehört heute zum UNESCO-Welterbe.
Theo van Doesburg war nicht direkt am Entwurf beteiligt. Das Gebäude ist dennoch eines der wichtigsten Beispiele dafür, wie die Ideen von De Stijl in Architektur übersetzt wurden.
Viele Prinzipien, die aus den Bildern von Piet Mondrian bekannt sind, lassen sich hier dreidimensional wiederfinden:
- horizontale und vertikale Linien und Flächen
- asymmetrische Komposition
- unterschiedliche Proportionen
- Rot, Gelb und Blau in Kombination mit Weiß, Grau und Schwarz
- einzelne Bauteile werden als eigenständige Elemente sichtbar
- Innenraum, Fassade und Möbel werden als zusammenhängendes Gestaltungssystem verstanden
Besonders deutlich wird dies im Obergeschoss. Verschiebbare Wände ermöglichen unterschiedliche Raumkonfigurationen. Raum wird dadurch nicht als unveränderliche Struktur verstanden, sondern als variables System aus einzelnen Elementen und Beziehungen.
Das Rietveld-Schröder-Haus lässt sich damit beinahe als eine dreidimensionale Weiterführung der Kompositionen Mondrians verstehen: Aus Linien und Flächen werden Wände, Decken, Fenster, Möbel und räumliche Übergänge.
Systematisches Gestalten
Die Arbeiten von Van Doesburg und De Stijl zeigen, wie aus wenigen grundlegenden Regeln komplexe Gestaltungssysteme entstehen können. Ein begrenztes Repertoire aus Formen, Linien, Farben und Proportionen wird immer wieder neu kombiniert und auf unterschiedliche Medien übertragen.
Der Zusammenhang lässt sich vereinfacht so beschreiben:
Mondrian → Komposition auf der Fläche
Form, Farbe, Proportion und Position bilden ein reduziertes visuelles System.
Van Doesburg → Übertragung des Systems
Die Prinzipien werden auf Typografie, Grafik, Innenraum, Farbe und Architektur ausgeweitet.
Rietveld und Schröder → das System wird bewohnbarer Raum
Flächen, Linien, Farben, Möbel und bewegliche Bauteile bilden gemeinsam ein räumliches Gestaltungssystem.
Damit kann De Stijl als frühes Beispiel für systematisches und regelbasiertes Gestalten verstanden werden. Dieses Prinzip findet sich später unter anderem in Rastersystemen, Grafikdesign, Architektur, Interface Design und Computational Design wieder.
Bezug zum Münsterland
Für eine Exkursion aus dem Münsterland bieten sich beide Orte an. Utrecht mit dem Rietveld-Schröder-Haus liegt vergleichsweise nah und ermöglicht es, die Prinzipien von De Stijl unmittelbar als Architektur und Raum zu erleben.
Drachten liegt weiter nördlich, bietet dafür aber einen unmittelbaren Bezug zu Theo van Doesburg selbst. Neben dem Van Doesburg-Rinsemahuis besitzt das dortige Museum Dr8888 eine umfangreiche Sammlung zur niederländischen Avantgarde und zu De Stijl.
Beide Orte ermöglichen damit einen direkten Übergang von der Analyse abstrakter Kompositionen zur Frage, wie sich Regeln, Module, Farben und Beziehungen von der zweidimensionalen Fläche in reale räumliche Systeme übertragen lassen.