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Shadowing

Shadowing ist eine qualitative Methode des Field Research, bei der eine Person über einen bestimmten Zeitraum in ihrem natürlichen Alltag oder Nutzungskontext begleitet und beobachtet wird. Ziel ist es, reale Abläufe, Routinen, Entscheidungen, Schwierigkeiten und improvisierte Lösungen möglichst unmittelbar zu verstehen.

Im Unterschied zu einem klassischen Interview basiert Shadowing nicht hauptsächlich darauf, was Personen über ihr Verhalten erzählen, sondern darauf, was sie tatsächlich tun. Gerade bei wiederkehrenden oder selbstverständlichen Tätigkeiten können dadurch Details sichtbar werden, die von den Beteiligten selbst kaum noch bewusst wahrgenommen werden.

Ablauf

Zu Beginn wird festgelegt, welche Person, Tätigkeit oder Situation beobachtet werden soll und über welchen Zeitraum die Begleitung stattfindet. Die beobachtende Person hält sich möglichst im Hintergrund und versucht, den normalen Ablauf so wenig wie möglich zu beeinflussen. Beobachtungen können durch Notizen, Skizzen, Fotografien oder – sofern vereinbart und zulässig – Audio- oder Videoaufzeichnungen dokumentiert werden.

Während der Beobachtung können kurze Rückfragen sinnvoll sein, beispielsweise wenn bestimmte Handlungen oder Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind. Ausführlichere Fragen sollten jedoch eher nach der eigentlichen Beobachtung gestellt werden, damit der natürliche Ablauf nicht ständig unterbrochen wird.

Worauf sollte geachtet werden?

Beim Shadowing geht es nicht nur darum, einzelne Handlungen zu dokumentieren. Interessant sind insbesondere Reihenfolgen, Wiederholungen, Unterbrechungen, Umwege und Übergänge zwischen verschiedenen Tätigkeiten. Auch die Nutzung von Gegenständen, Geräten und Räumen kann wichtige Hinweise liefern.

Besonders relevant sind häufig Situationen, in denen Personen improvisieren, vorhandene Produkte anders verwenden als vorgesehen oder zusätzliche Hilfsmittel einsetzen. Solche Beobachtungen können auf Bedürfnisse oder Probleme hinweisen, die in Interviews oder bei einer reinen Desk Research möglicherweise nicht sichtbar geworden wären.

Wie bei anderen Beobachtungsmethoden sollte zwischen tatsächlicher Beobachtung und Interpretation unterschieden werden. Das Prinzip Looking vs. Seeing ist deshalb auch beim Shadowing wichtig.

Beispiel

Soll untersucht werden, wie Menschen während des Kochens Audioinhalte nutzen, könnte eine Person während der Vorbereitung und Zubereitung einer Mahlzeit begleitet werden. Dabei wird beispielsweise beobachtet, wo das Smartphone oder der Lautsprecher platziert wird, wann die Person mit dem Gerät interagiert, ob sie ihre Hände vorher abwischt, wie häufig die Lautstärke verändert wird oder in welchen Situationen die Bedienung unterbrochen wird.

Aus einer solchen Beobachtung könnten zunächst Muster und anschließend Hypothesen entstehen. Beispielsweise könnte vermutet werden, dass klassische Touchinterfaces in bestimmten Kochsituationen ungeeignet sind. Diese Annahme müsste anschließend gezielt überprüft werden.

Vorteile und Grenzen

Shadowing liefert einen detaillierten Einblick in reale Nutzungssituationen und kann besonders hilfreich sein, wenn Abläufe komplex sind oder sich stark aus vielen kleinen Handlungen zusammensetzen. Die Methode zeigt häufig Unterschiede zwischen dem, was Menschen über ihr Verhalten sagen, und dem, was tatsächlich passiert.

Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass die Anwesenheit einer beobachtenden Person das Verhalten beeinflussen kann. Zudem lässt sich aus der Beobachtung einzelner Personen nicht automatisch auf eine gesamte Zielgruppe schließen. Shadowing sollte deshalb möglichst mit weiteren Methoden wie Interviews, Desk Research oder zusätzlichen Beobachtungen kombiniert werden.

Datenschutz und Einverständnis

Shadowing greift unmittelbar in reale Alltagssituationen ein. Die beobachteten Personen müssen deshalb wissen, dass eine Beobachtung stattfindet und welchem Zweck sie dient. Fotografien, Video- oder Audioaufzeichnungen sollten nur mit ausdrücklicher Zustimmung erstellt werden. Persönliche oder sensible Informationen sollten nur erhoben werden, wenn sie tatsächlich für die Fragestellung notwendig sind.

Die Aufgabe beim Shadowing besteht nicht darin, Personen zu bewerten. Ziel ist es, ihre Situation und ihr Verhalten besser zu verstehen und daraus Erkenntnisse für den weiteren Designprozess abzuleiten.

Shadowing im Designprozess

Shadowing wird häufig in der Discover!-Phase eingesetzt. Die Methode kann jedoch auch später hilfreich sein, beispielsweise wenn ein Prototyp in einer realen Nutzungssituation getestet wird.

Gutes Shadowing beantwortet deshalb nicht nur die Frage „Was macht die Person?“, sondern versucht zu verstehen, wie eine Tätigkeit tatsächlich abläuft, welche Bedingungen sie beeinflussen und an welchen Stellen sich Möglichkeiten für eine Verbesserung oder neue Gestaltung ergeben.

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